Fahrgastverband PRO BAHN: Pressemeldungen

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Pressemeldung vom 17.09.2026

Neubaustrecke Hannover–Hamburg: Koalition folgt der Fahrgastlinie

Fahrgastverband PRO BAHN lobt die Entschließung der Koalitionsfraktionen zur Vorzugsvariante und fordert verbindliche Regionalhalte in Soltau und Bergen

München, 17. September 2026 – Die Koalitionsfraktionen von CDU/CSU und SPD haben im Verkehrsausschuss des Deutschen Bundestages eine Entschließung eingebracht, die die Vorzugsvariante der Aus- und Neubaustrecke Hannover–Hamburg bestätigt und das Projekt mit klaren Maßgaben in die Etappierung des Deutschlandtakts einordnet. Der Verkehrsausschuss berät sie am Mittwoch, dem 23. September, der Bundestag stimmt am Donnerstag, dem 24. September ab. Der Fahrgastverband PRO BAHN lobt die Koalition dafür, dass sie Widerstände in den eigenen Reihen überwunden hat und dem Bundestag aufschreibt, was Region und Fahrgäste von dem Projekt erwarten dürfen, statt den Bericht der Bundesregierung nur zur Kenntnis zu nehmen. Die Bestandsstrecke ist seit 2012 offiziell überlastet, und nur die Neubaustrecke entlang von A 7 und B 3 schafft die Kapazität, die Niedersachsen und Hamburg für den Halbstundentakt im Nahverkehr, für den Güterverkehr aus dem Hamburger Hafen und für die Fahrzeiten des Deutschlandtakts brauchen.

Der Fahrgastverband PRO BAHN begrüßt auch deswegen den anstehenden Beschluss, weil er faktenbasiert ist und für die kürzeste Bauzeit sorgt. Da die Neubaustrecke frei gebaut werden kann, wird der laufende Betrieb dabei weniger beeinträchtigt. Gleichzeitig bietet die Strecke den Fahrgästen durch die geplante Verdichtung des Regionalverkehrs auf der Altstrecke und die geplanten Zwischenhalte an der Neubaustrecke, die eine bisher abgehängte Region neu erschließen, maximalen Nutzen. Die Kapazitätssteigerung sowie die Trennung schneller und langsamer Verkehre werden die Pünktlichkeit positiv beeinflussen, was im Fernverkehr in ganz Deutschland zu spüren sein wird. Die Neubaustrecke ist daher ein zentrales Stück Infrastruktur für den Wirtschaftsstandort Deutschland.

„Diese Entschließung war in der Koalition nicht selbstverständlich. Dass sie trotzdem so kommt, ist ein Erfolg für die Fahrgäste zwischen Hamburg und Hannover, und die Region muss sich nicht zwischen Strecke und Halten entscheiden, sie bekommt beides“, erklärt Prof. Dr. Lukas Iffländer, Bundesvorsitzender des Fahrgastverbands PRO BAHN, der in der Anhörung des Ausschusses im April als Sachverständiger die Bestätigung der Vorzugsvariante empfohlen hatte. „Die Neubaustrecke kommt, die Gedenkstätte Bergen-Belsen wird geachtet und mit ausreichend Abstand passiert, und die Überholbahnhöfe Soltauer Heide und Bergen werden so gebaut, dass daraus Bahnhöfe für die Menschen in der Heide werden können. Genau das haben wir gefordert.“

Die Entschließung lehnt das durchgehende dritte Gleis zwischen Lüneburg und Uelzen ab, das nach der aktuellen Kostenprognose mehr als vier Milliarden Euro gekostet, Bahndämme durch Bad Bevensen, Bienenbüttel und Deutsch Evern gelegt und den Engpass trotzdem nicht aufgelöst hätte. Sie lässt Verbindungskurven zur Amerikalinie bei Soltau planerisch vorbereiten und verlangt, dass Celle, Uelzen und Lüneburg ihre Fernverkehrshalte behalten. Garantieren kann das allerdings niemand: Denn für den Fernverkehr gibt es im Bund keinen Aufgabenträger. Deshalb fährt DB Fernverkehr, was sich rechnet. Solange der Bund den Fernverkehr nicht bestellt, bleibt dieser Satz der Entschließung ein Wunsch an ein Unternehmen. Für die Jahre bis zur Inbetriebnahme kommt ein Paket von rund 250 Millionen Euro auf die Bestandsstrecke: fünf Überleitstellen, Spurplanänderungen in Winsen, Stelle und Maschen und zehn Lärmschutzwände, die im Lärmsanierungsprogramm des Bundes seit Jahren blockiert sind. „Wer heute zwischen Lüneburg und Uelzen pendelt, merkt jede Störung sofort, weil die Strecke keinen Puffer mehr hat. Die Überleitstellen sind eine längst überfällige Maßnahme, die unmittelbar konkreten Nutzen für die Fahrgäste bringt und zur Stabilisierung des Fahrplans beiträgt“, erläutert Malte Diehl vom Landesverband Niedersachsen/Bremen des Fahrgastverbands PRO BAHN.

Die Regionalhalte bleiben allerdings ein Versprechen unter Vorbehalt. Der Bund lässt die Rohbauten errichten, Bahnsteige und Bestellung der Züge liegen beim Land Niedersachsen, und die Entschließung sagt selbst, dass die Finanzierung ins Leere liefe, wenn das Land keine Angebotskonzepte vorlegt. „Das Land hat die Halte in Soltau und Bergen im eigenen Nahverkehrskonzept stehen. Jetzt muss die SPD-geführte Landesregierung endlich konstruktiv mitarbeiten und Farbe bekennen, ob sie wirklich einen attraktiven Schienenverkehr in der Fläche möchte. Eine bessere Gelegenheit für die Lüneburger Heide wird es nicht geben“, stellt Diehl fest. Der Fahrgastverband PRO BAHN verlangt von Bund und Land, die Halte jetzt verbindlich zu vereinbaren, nach dem Vorbild von Merklingen an der Schnellfahrstrecke Wendlingen–Ulm, wo Land und Kommunen den Bahnhof mitfinanziert haben und seit 2022 Züge halten. Was ein Halt des Schnellverkehrs für eine Kleinstadt bedeutet, zeigt Montabaur: Seit dem ICE-Halt 2002 hat sich die Steuerkraft der Stadt verdreifacht, während das ähnlich große Soltau ohne Anschluss blieb.

Beim Geld erwartet der Fahrgastverband PRO BAHN zwei Klarstellungen. Die bis zu 100 Millionen Euro für Lärmvorsorge über das gesetzliche Maß hinaus dürfen ebenso wenig aus dem Budget des Bedarfsplans kommen wie das Bestandspaket, denn jeder Euro, der dort fehlt, verzögert ein anderes Projekt des Deutschlandtakts; für das Bestandspaket steht dieser Satz in der Entschließung, für die Lärmvorsorge fehlt er. Und die Bundesregierung muss für die Strecke, die auf dem europäischen Kernnetzkorridor Skandinavien–Mittelmeer liegt, einen vollständigen Förderantrag bei der EU stellen. Bis zu 30 Prozent der Baukosten sind dort erreichbar, in der Entschließung kommt die europäische Förderung nicht vor.

Nach dem Beschluss des Bundestages am Donnerstag muss die Planfeststellung sofort und ohne weitere Schleifen beginnen. Die Varianten sind abschließend diskutiert; jede weitere Verzögerung schadet Fahrgästen und Wirtschaft, die zwischen Hamburg und Hannover weiter auf einer Strecke ohne Reserve unterwegs sind. Im gleichen Zug gilt es jetzt mit den anderen Projekten weiterzumachen. Der Brennernordzulauf steht als nächstes auf der Tagesordnung.

Rückfragen bitte an
Prof. Dr. Lukas Iffländer, Fahrgastverband PRO BAHN, Bundesvorsitzender, Tel. +49 176 66822886, E-Mail: lukas.ifflaender@pro-bahn.de
v.i.S.d.P.: Lukas Iffländer

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