Aus dem Landesvorstand

18.09.2021 PRO BAHN Niedersachsen will anhand konkreter Daten
                    über Qualitätsmängel reden 

16.09.2021 Nur zwei Stunden auf dem Hauptbahnhof Hannover
15.08.2021 Bremen und umzu: Nicht so wichtig?
 

18.09.2021

PRO BAHN Niedersachsen will anhand konkreter Daten über Qualitätsmängel reden

Liebe PRO BAHNER in Niedersachsen und Bremen: Wir brauchen Ihre Mithilfe.

 

… einmal abgesehen von der Unmöglichkeit, die Kundschaft mittels sinnloser Streiks zu nerven und zu vergraulen: Es läuft nicht wirklich rund bei den Bahnunternehmen in Niedersachsen und Bremen. Darüber können auch Statistiken nicht hinwegtäuschen. Jeder verspätete Zug ist einer zu viel, jeder ausfallende Zug sowieso. Die von Bund und Land bisher mehr schlecht als recht eingeleitete „Verkehrswende“ droht, mühsam angelaufen, an der Unfähigkeit der Bahnunternehmen zu scheitern, einen absolut zuverlässigen Betrieb auf die Beine zu stellen.

 

Zugausfälle en gros bei der Nordwestbahn, Zugausfälle noch größeren Umfangs bei ErixX im „Heidekreuz“, Verspätungen dort und bei allen übrigen, Anschlussverluste durch eben diese Verspätungen (die in der Statistik der Aufgabenträger nicht erscheinen), fehlende Beratung und Hilfe bei solchen Vorkommnissen, schleppende Bearbeitung von Reklamationen und Fahrgelderstattungen, aber auch kleine Dinge wie Züge, durch deren versprühte Scheiben man nicht mehr gucken kann… Es steht nicht wirklich gut um die Qualität in unserem Nahverkehr.

 

 

Hier ist es etwas besser geworden. Aber nur etwas. Im Knotenpunkt Herzberg gehen immer noch Anschlüsse in die Brüche. Grund ist die extrem ausgedünnte Infrastruktur der Westharzstrecke von Braunschweig nach Herzberg. Busse nach Bad Lauterberg könnten warten – aber die noch vorhandenen Fahrdienstleiter kennen die extra hierfür angebrachte „Anschluss-Warn-Lampe“ nicht mehr…

 

Reaktivierungspläne sind eine feine Sache – aber das wichtigste ist doch wohl, erst einmal im vorhandenen Netz einen zuverlässigen Betrieb auf die Beine zu stellen (so wie, jawohl, früher bei der Deutschen Bundesbahn). Mehrleistungen sind auch zu begrüßen – aber wenn schon der heutige Fahrplan mangels Personal und Fahrzeugen nicht eingehalten wird, wie sollen dann die zusätzlichen Züge fahren?

 

Allgemeines Lamentieren hilft aber leider nicht weiter. Wir müssen konkrete Belege haben: Was war wann los? Welcher Zug fiel aus? Welcher Anschluss wurde verpasst? Wer hat sich pampig aufgeführt? Wo ist man einsam gestrandet und erhielt keine Hilfe? Nur dann, wenn wir Tag für Tag und Zug für Zug nachweisen, was wo nicht lief oder läuft, wird man uns erhören. Deswegen wollen wir sammeln. Wir tun dies nicht, um die Bahnen, ihr Personal oder die Aufgabenträger zu ärgern oder weil wir uns ins Lager der „Bahnhasser“ begeben haben. Wir tun dies, damit wir dazu beitragen, dass es besser wird mit dem Bahnverkehr im Lande. Damit die Kunden wiederkommen. Damit neue Kunden kommen.

 

Wir bitten um Ihre Unterstützung. Bitte laden Sie diese Excel Tabelle herunter und tragen dort Ihre Erlebnisse ein. Gesammelt wird bei Michael.Reinboth@gmx.de. Machen Sie mit: Damit der Bahnverkehr, den wir alle noch bitter brauchen werden, besser wird.

 


16.09.2021

Nur zwei Stunden auf dem Hauptbahnhof Hannover

Wir sollen ja alle mehr Bahn und Bus fahren. Inzwischen besteht ja ein breiter Konsens darüber, dass vor allem dieses die Verkehrswende beflügeln wird. PRO BAHNER gehen da ja mit gutem Beispiel voran. Obwohl – manchmal…

 

Am letzten Samstag war Landesausschuss und Landesvorstandssitzung in Hannover. Weselskys Gnade ließ die An- und Abreise per Bahn ausnahmsweise zu. Meine Hinreise (8.03 ab Walkenried, 30 Minuten Herumstehen im inzwischen von seinem DB-Store befreiten Bahnhof Northeim, dann fast pünktlicher Metronom bis Hannover Hbf, Ankunft 10.30) gestaltete sich erfreulich problemfrei, obschon dunkle Wolken in Gestalt mitreisender 96-Fans und am Hauptbahnhof herumstreunender St. Pauli-Fans aufzogen. Mist, daran hatte ich nicht gedacht: Parallel zu unserer Sitzung in Ricklingen fand im Niedersachsen-Stadion die Partie 96 gegen Pauli statt. Das Stadion heißt jetzt irgendwie anders, aber als ich das letzte Mal drin war, trug es noch diesen schönen Namen, und die Fans gingen nach dem Spiel ruhig und gesittet hinaus. Anpfiff 13.30, aber die ersten Fans zogen schon gegen 11 Uhr auf…

 

Mit der 7 nach 16 Uhr zurück zum Hauptbahnhof. Da das Spiel um 15.25 Uhr beendet war und 96 zudem gewonnen hatte, sollte einer störungsfreien Rückfahrt nichts im Wege stehen. Zufriedene Fans machen doch keine Randale, und die allermeisten sollten doch schon auf dem Heimweg sein. Beides war leider ein Trugschluss. Auf dem Vorplatz und im Hauptbahnhof singende, aber auch grölende Fans, viel Polizei, und überdies ein heilloses Chaos, weil der Bahnhof Wunstorf aufgrund eines Personenschadens bereits eine Stunde gesperrt war: Kein Zug nach Minden, kein Zug nach Nienburg, aber auch kein Zug nach Braunschweig, weil der aus Richtung Minden kommt, keine S-Bahn nach Haste und so weiter. Einstweilen sollte mich das nicht stören, mein Metronom kam ja von Göttingen und fuhr nach beinahe pünktlicher Bahnsteigwende auch gleich wieder retour. So weit, so gut – aber neben eine Vielzahl „normaler“ Fahrgäste stiegen eben auch zahlreiche 96-Fans zu und belebten den Zug mit maskenfreiem Gesang. Es kam, wie es kommen musste. In Elze war vorerst Schluss. „Wenn sich ein Polizist im Zug befindet, bitte mal nach Wagen 3…“. War aber keiner. Also warten, bis die Bundespolizei anrückt und den oder die Randalierer aus dem Zug holt. Immerhin, das dauerte nur gut 10 Minuten – wo die so schnell herkamen, weiß ich nicht. Die geschätzt 200 anderen Fahrgäste mussten das alles eben erdulden. Vor Kreiensen dann die Ansage: „Die Regionalbahn nach Bad Harzburg wartet auf sie!“ – die in diesem Fall lange Übergangszeit rettete diesen Anschluss und auch meinen in Northeim, statt 30 Minuten hatte ich eben nur 15 Minuten Übergang, manchmal ist ein verkorkster Fahrplan auch etwas wert. Keine Chance hatten die, welche in Salzderhelden nach Einbeck umsteigen wollten, der Anschluss war weg. Das Schicksal der Göttinger Umsteiger konnte ich nicht mehr beobachten.

 

Als Bahnfahrer ist man inzwischen, so der Eindruck, wohlfeile Geisel aller möglichen Gruppierungen. Gibt die GDL mal Ruhe, sind es die Fußballfans. Man muss vor Reiseantritt also nicht nur das GDL-Orakel befragen, sondern auch auf den Spielplan der Ligen 1 bis 3 schauen und sich danach seine Reisepläne zurechtlegen. Der nächste Landesausschuss sollte jedenfalls nicht stattfinden, wenn 96 ein Heimspiel hat…



15.08.2021

Bremen und umzu: Nicht so wichtig?

 

Man kann die Uhr danach stellen – nach der Ankündigung, nicht nach dem, was dann noch fährt. Sobald irgendwo in deutschen Landen gebaut wird und davon nach Bremen verkehrende Fernzüge betroffen sind, fallen sie aus oder werden zu bloßen „Shuttles“ zwischen Hannover und der Hansestadt degradiert. Die dahinter liegenden Städte, auch nicht eben klein, und die Nordseeküste werden gleich mit abgehängt.

 

 

Der von Hubert Stier entworfene Bremer Hauptbahnhof. Leider wird regelmäßig vom Fernverkehr über Hannover abgehängt, wenn Bauarbeiten anstehen. Das ist für PRO BAHN nicht akzeptabel. Auch das, was im „Deutschland-Takt“ zwischen Hannover und Bremen geplant ist, genügt uns nicht.

 

So jüngst wieder bei der Baumaßnahme auf der Schnellfahrstrecke zwischen Kassel und Göttingen. Kassel – Fulda und Fulda – Würzburg kommen ja noch dran. Soll es dann wieder heißen: „Bremen hinten“? Wir reden über eine Stadt mit einer halben Million Einwohner, mit Umland und Bremerhaven einer Million, wir reden über die Großstadt Oldenburg und immerhin doch auch über Wilhelmshaven, Leer, Emden und Delmenhorst. Und die Nordseeinseln, deren Erreichbarkeit bekanntlich von dem zuverlässigen Anschluss an die Schiffe abhängt.

 

Das kann so nicht weitergehen. PRO BAHN verlangt, dass bei künftigen Baumaßnahmen Bremen und umzu nicht schon wieder abgehängt wird. Dass die Hansestadt aus Süden umsteigefrei erreichbar bleibt. Dass es direkte Züge an die Küste gibt. Bremen ist kein Ziel zweiter Klasse! Wir freuen uns über direkte ICE zur Küste, die wieder eingerichtet werden. Wir freuen uns darüber, dass Bremerhaven wieder eine IC-Anbindung bekommt. Aber was nützt es, wenn diese und andere Fernzüge regelmäßig gekappt werden, sobald Bauarbeiten anstehen? Wenn die Nordseeküste im tiefen Winter gut erreichbar ist, im Hochsommer, wenn die Gäste kommen, aber nicht?