Süd-Niedersachsen aktuell

 

12.12.2018  Land schränkt Fahrkartenverkauf deutlich ein

07.12.2018  EcoBus hat Erwartungen deutlich verfehlt

03.12.2018  Fahrplanwechsel bringt Licht und Schatten in die Region

14.10.2018  Fahrgastverbände aus Hessen und Niedersachsen kritisiern Unterbrechung des

                     ICE - Verkehrs  

16.08.2018  PRO BAHN: Landesbus 500 ist gute Zwischenlösung
12.08.2018 
EcoBus darf keine Konkurrenz zu Bussen und Bahnen werden
27.07.2018  Kein Personal für die Stellwerke – Züge zwischen Walkenried und
                      Nordhausen fallen aus

09.07.2018  Fahrgastverband PRO BAHN kritisiert umfangreiche Zugausfälle
22.06.2018  Zugausfälle verärgern die Fahrgäste
16.05.2018  Umfassendes Nachschlagewerk der Initiative „Höchste Eisenbahn“ wieder
                     erschienen

29.04.2018  Fahrgastverband kritisiert fehlenden Wetterschutz
06.03.2018  Fahrgastverband PRO BAHN fordert mehr Informationen zu
                      Baustellen und Sperrungen
06.02.2018  PRO BAHN kritisiert Situation am Bahnhof Kreiensen

 

Archiv


12.12.2018

Land schränkt Fahrkartenverkauf deutlich ein


Am Bahnhof Göttingen spielt sich seit Sonntag eine Posse ab, die den Fahrgästen den Kauf einer Bahnfahrkarte erschwert. Die Deutsche Bahn darf an ihren Automaten am Bahnhof Göttingen keinerlei Nahverkehrsfahrkarten mehr verkaufen. „Hier nur Verkauf für den Fernverkehr“ heißt es. Verantwortlich dafür ist nicht etwa die Bahn, sondern das Land, dass etwas gegen ein Vertriebsmonopol hat. PRO BAHN Südniedersachsen hat die Landesnahverkehrsgesellschaft aufgefordert, die Einschränkungen zurückzunehmen.

Verbandssprecher Gerd Aschoff: „Aus Fahrgastsicht könnte es vielleicht egal sein, wer die Automaten aufstellt und betreibt. In der Praxis sieht das allerdings anders aus, weil die Metronom-Automaten keinen vollwertigen Ersatz bieten.“ Fahrgäste, die versuchen, sich eine VSN-Tageskarte aus den Metronom-Automaten zu ziehen, finden diese häufig nicht, weil die Benutzerführung sie hinter dem Punkt „Zeitkarten“ versteckt. Andere Fahrkarten, etwa für den direkten Zug der Deutschen Bahn von Göttingen nach Erfurt, sind überhaupt nicht zu finden. Als einzige Möglichkeit des Fahrkartenerwerbs vor Ort bleibt das Reisezentrum der Bahn. Das wiederum wird die Öffnungszeiten ab 1. April 2019 kappen.

Die bewusste Zersplitterung des Fahrkartenverkaufs sei auch deshalb ärgerlich, weil Fahrgäste in Göttingen vor Ort keine Metronom-Mitarbeiter finden und Bahn-Mitarbeiter für Probleme am Metronom-Automaten nicht zuständig sind. Aschoff: „Das DB-Personal kann keine Lösung liefern, wenn statt Rückgeld nur eine Gutschrift aus dem Automaten kommt.“

PRO BAHN hat die Landesnahverkehrsgesellschaft gefragt: „Auf welcher Grundlage wird ausgerechnet in Göttingen der Verkauf von Nahverkehrs-Fahrscheinen aus dem DB-Vertrieb gebrochen? Wir zählen immerhin vier DB-bediente Linien: nach Nordhausen, nach Gera/Erfurt, nach Bad Harzburg und nach Einbeck. Und nun sollen keine Tickets aus dem Verkehrsverbund, dem Niedersachsen-Tarif und sogar nach Thüringen nicht mehr am DB-Automaten lösbar sein? Ist ihnen bekannt, dass die Zonengrenze schon vor Jahrzehnten gefallen ist? Was ist das für eine absurde, fahrgastfeindliche Situation, wenn Fahrgäste wegen der Politik der LNVG am Großstadtbahnhof Göttingen größte Mühe haben an ein Nahverkehrsticket zu gelangen?!“



07.12.2018

EcoBus hat Erwartungen deutlich verfehlt

Die in dieser Woche öffentlich gewordenen Erkenntnisse, wonach der EcoBus in der Praxis hochdefizitär ist, überraschen den Fahrgastverband PRO BAHN nicht. „Wir haben von Anfang an gesagt, dass ein Rufsystem, das nah beim Taxi angesiedelt ist, auf Dauer nicht zum Schnäppchenpreis zu haben ist“, erklärte Gerd Aschoff, Sprecher und Ehrenvorsitzender des Fahrgastverbands PRO BAHN in Südniedersachsen. „Öffentliche Verkehrsmittel leben davon, dass sie ohne besonderen Vorlauf einfach zugänglich sind und jeder Fahrgast einfach ein- und aussteigen kann, wo er will“, nannte Aschoff einen weiteren Kritikpunkt. Er hat es gestern selber erlebt, dass ihm am Telefon ein Fahrtwunsch abgelehnt wurde, weil er statt einer ihm nicht geläufigen Hausnummer eine Bushaltestelle als Zielpunkt genannt hatte.

Die gestern in Walkenried angebotene Angebotsoffensive des ZVSN für den Südharz belege dagegen, dass herkömmliche öffentliche Verkehrsmittel noch lange nicht am Ende sind. PRO BAHN-Regionalvorsitzender Michael Reinboth: „Es lohnt sich, in verbesserte Buslinien und gutes Marketing zu investieren.“ Der Kostendeckungsgrad von Bussen und Bahnen in Südniedersachsen sei allenfalls höher als beim EcoBus, der dem Vernehmen nach gerade mal im einstelligen Bereich liege. Reinboth: „Um 200 bis 250 Menschen zu transportieren fährt ein einziger Linienbus ein paar mal am Tag eine Linie ab, allein die Firma Hahne aus Wieda verfügt aber über 14 Linienbusse“.

PRO BAHN erkennt sehr wohl an, dass die Attraktivität öffentlicher Verkehrsmittel durch die Entwicklung neuer Angebotsformen mittels Digitalisierung gesteigert werden kann und muss, aber es sei klar erkennbar, dass der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) in ländlichen Regionen Konkurrenz wie durch den EcoBus nicht verträgt. Reinboth: „Rufbussysteme müssen aus dem Gesamtsystem heraus entwickelt werden, isolierte Einzelprojekte bringen den Nutzen für Fahrgäste nicht weiter.“ Deshalb müsse eine transparente Auswertung vorgenommen werden. Aschoff: „In Sachen Transparenz hat der EcoBus seit Anbeginn große Defizite. Fragen nach genaueren Zahlen wurden immer abgewehrt. Das ist angesichts der öffentlichen Bezuschussung mit ÖPNV-Mitteln nicht hinnehmbar.“ Fahrgastverband PRO BAHN


03.12.2018


Fahrpahrplanwechsel bringt Licht und Schatten in die Region


Bedeutendste Verbesserung zum Fahrplanwechsel am kommenden Sonntag ist für den Fahrgastverband PRO BAHN ohne Frage die Reaktivierung des Zugverkehrs nach Einbeck-Mitte. Mit dem neuen Zugfahrplan zeigt sich Gerd Aschoff, Ehrenvorsitzender des PRO BAHN Regionalverbandes Südniedersachsen, sehr zufrieden: „Die Durchbindung der Züge von Einbeck Mitte nach Göttingen und zurück in der Hauptverkehrszeit führt zu einem deutlich dichteren Takt in Nörten-Hardenberg und Northeim.“ Eine Schwachstelle im neuen Angebot ist PRO BAHN allerdings schon aufgefallen: „Drei durchgehende Züge zwischen 6 und 8 Uhr sind zu wenig. Wir fordern einen zusätzlichen Zug nach 9 Uhr, der in Northeim Fahrgäste nach Göttingen aufnimmt, die bisher häufig am Bahnsteig zurückbleiben mussten.“

Die bisherigen IC-Züge nach Hamburg/Stralsund-Karlsruhe (Fernzuglinie 26) werden in ICE-Züge umgewandelt. Diese fahren montags bis freitags vor 6 und 7 Uhr ab Göttingen, ein ICE kommt gegen 18 Uhr zurück. Damit können sich die Bahnhöfe Northeim und Kreiensen mit dem Titel „ICE-Bahnhof“ schmücken. Für Pendler und Einzelreisende führt diese Umstellung zu erheblichen Preissteigerungen. Der Fahrgastverband hofft auf einen zuverlässigeren Betrieb, weil die ICE-Triebwagen deutlich jünger sind als die alten IC-Waggons. Eine Verbesserung gibt es beim Metronom im Leinetal. So kann man künftig noch nach 23 Uhr in Richtung Hannover fahren. In Hannover kann man in den Wochenendnächten Fr/Sa und Sa/So ebenfalls eine Stunde später nach Süden fahren; die Abfahrt ist in Hannover um 0:36 Uhr (an Göttingen 1:54 Uhr).

Mit dem Fahrplanwechsel am Sonntag geht für die Südharzer mit einem neuen Frühzug ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung. Der Zug, der auch vom Kreistag bei der Landesnahverkehrsgesellschaft einfordert worden war, fährt in Walkenried um 5.03, in Bad Sachsa um 5.08 und in Bad Lauterberg-Barbis um 5.19 ab. Ab Herzberg (5.26) gab es ihn bisher schon. In Northeim besteht Anschluss an einen ICE nach Hannover und Hamburg sowie an den „Metronom“ nach Hannover. Bewohner der östlichen Gemeinden des Landkreises haben mit diesem Zug überdies die Möglichkeit, in Herzberg um 5.34 Uhr in Richtung Osterode, Seesen und Braunschweig weiterzufahren. Die Freude wird aber dadurch getrübt, dass der Zug zwar in Nordhausen eingesetzt wird und in Ellrich aus betrieblichen Gründen hält, dort aber aufgrund der Weigerung des Landes Thüringen, diesen Zug anteilig mitzufinanzieren, niemand zusteigen darf – ein kapitaler Schildbürgerstreich im 21. Jahrhundert. PRO BAHN-Regionalvorsitzender Michael Reinboth ist entsetzt: „Wir dachten eigentlich, dass die Zeiten der Zonengrenze vorbei sind.“ Sehr positiv für die Südharzer ist die Einführung des neuen „Rhein-Ruhr-Express“ zwischen Paderborn und Düsseldorf, denn mit diesem wird die Reise aus dem Südharz über Bodenfelde und Paderborn in das Ruhrgebiet und Rheinland gegenüber heute alle zwei Stunden um rund 30 Minuten schneller und ist damit genauso schnell wie mit dem ICE über Hannover – nur bequemer und preisgünstiger.

PRO BAHN pocht anlässlich des Fahrplanwechsels aber vor allem darauf, dass der Bahnverkehr wieder das Merkmal erhält, welches ihn über Jahrzehnte ausgezeichnet, aber leider erheblich gelitten hat. „Wir wollen, dass die Fahrpläne ohne Wenn und Aber eingehalten werden und die Anschlüsse klappen. Zugausfälle und Ersatzverkehre wegen Lokführermangels, defekten Fahrzeugen oder gestörten Signalen und Weichen müssen ein für allemal der Vergangenheit angehören,“ fordert Reinboth.

Im zweiten Halbjahr 2019 droht den Fahrgästen zudem neues Ungemach infolge der monatelangen baubedingten Sperrung der Nord-Süd-Schnellfahrstrecke. Wegen der ICE-Umleitung durch das Leinetal sollen viele Nahverkehrszüge entfallen und durch Busse ersetzt werden. Zusatzzüge zwischen Herzberg und Northeim sollen jedoch dazu beitragen, die Auswirkungen vor allem für Pendler und Schüler in Grenzen zu halten. Die Züge der RB-Linie 80 Nordhausen – Göttingen sollen nach heutigem Stand auch dann uneingeschränkt verkehren, die Regionalbahn von Einbeck-Mitte aber nicht nach Göttingen durchfahren.  

14.10.2018

Fahrgastverbände aus Hessen und Niedersachsen kritisieren Unterbrechung des ICE-Verkehrs

Die DB-Fernzuglinie 26 wird zum Fahrplanwechsel im Dezember 2018 von alten Intercity-Waggons auf ICE-T-Züge umgestellt. Nach vielen Jahren wird den Fahrgästen auf der Relation wieder mehr Service wie ein Bordrestaurant und WLAN bereitgestellt.  

Die Regionalverbände Mittelhessen, Nordhessen und Süd-Niedersachsen fordern den Erhalt der durchgängigen Fernzugverbindung auf der IC(E)-Linie 26 Karlsruhe-Heidelberg-Darmstadt-Frankfurt-Gießen-Marburg-Kassel-Göttingen-Hannover-Hamburg-Rostock-Stralsund während der Bauarbeiten auf der Schnellfahrstrecke zwischen Göttingen und Hannover von Juni bis Dezember 2019 und den Folgejahren, in denen weitere Sperrungen anstehen.  

Bei Sperrungen in den vergangenen Jahren endeten die Intercity-Züge von Süden kommend in Kassel, im nördlichen Bereich schon in Hamburg oder Hannover. Dies stößt bei den Fahrgastvertretern aus Hessen und Niedersachsen auf heftige Kritik. Gerade durch die Umstellung von IC- auf ICE-Züge sei doch ein Fahrgastzuwachs zu erwarten. Wenn man nach wenigen Monaten schon wieder massive Einschränkungen auf dem mittleren Streckenabschnitt umsetze, verprelle man die gerade gewonnenen Fahrgäste schon wieder.  

Aus Sicht von PRO BAHN sei es unabdingbar, dass aus der Region Mittelhessen über sieben Monate hinweg, gerade in der Hauptreisezeit nicht alle Zugverbindungen in Kassel endeten und in allen Fällen in den reduzierten Fernverkehr mit bereits überfüllten Zügen umgestiegen werden müsse. Gerade mobilitätseingeschränkte Menschen schätzten das Angebot der durchgängigen Verbindung beispielsweise von Gießen bis Hannover. Der Anteil der Fahrgäste, welche in Fulda zustiegen, sei nicht höher als auf den wichtigen Stationen der Main-Weser-Bahn über Gießen und Marburg.  

Auch die Region Südniedersachsen werde vor deutliche Probleme gestellt. So sei angekündigt worden, dass die Verbindungen Frankfurt-Göttingen-Berlin deutlich reduziert werden. Es stehe zu befürchten, dass dann in Richtung Süden im Wesentlichen als Kernangebot nur noch die Direktverbindungen über Fulda nach Würzburg zur Verfügung stehen. Auch aus diesem Grund müsse die ICE-Linie 26 in jedem Fall erhalten bleiben, um den hohen Bedarf an Direktverbindungen zwischen Göttingen und Frankfurt am Main sicherzustellen. PRO BAHN befürchtet außerdem erhebliche Einschränkungen im regionalen Bahnverkehr, dessen Anschlüsse in großem Umfang durch die Unterbrechung der ICE-Verkehre verloren gingen.  

Die Befürchtungen gehen noch weiter: Wie im Sommer 2018 werde auch im Jahr 2019 wieder am viergleisigen Ausbau zwischen Frankfurt am Main und Friedberg weiter gebaut. Da könne nicht die Konsequenz sein, die Fernzüge schon in Frankfurt Hbf. enden zu lassen. Vielmehr könnten die ICE-Züge stattdessen in Frankfurt-Süd halten und über Hanau nach Friedberg fahren, wodurch der 14-minütige Halt zum Fahrtrichtungswechsel im Frankfurter Hauptbahnhof entfalle, die zusätzliche Fahrtzeit dadurch fast ausgeglichen werde.  

PRO BAHN Mittelhessen, Nordhessen und Süd-Niedersachsen fordern DB-Fernverkehr im Sinne dieser Ziele zum Handeln auf. Es dürfe selbst bei größeren und länger andauernden Baumaßnahmen keine Region derart massiv vom Fernverkehr abgehängt werden, so die Fahrgastvertreter.


16.08.2018

PRO BAHN: Landesbus 500 ist gute Zwischenlösung

Die neue Schnellbuslinie 500 ist nach Ansicht des Fahrgastverbands PRO BAHN „ein Schritt in die richtige Richtung“. Die Buslinie fährt ab Montag, 20. August zwischen Kreiensen und Holzminden im Zwei-Stunden-Takt ergänzend zu den ebenfalls alle zwei Stunden verkehrenden Zügen zwischen den gleichen Stationen. Der PRO BAHN-Regionalvorsitzende Michael Reinboth verweist zugleich darauf, dass der neue Bus die Probleme am Knotenpunkt Kreiensen allenfalls lindern hilft und aufgrund seiner deutlich längeren Fahrzeit auch kein Ersatz für den dringend erforderlichen Bahnausbau zwischen den beiden Stationen darstellt.  

Im Gegenteil: „Die Bus-Fahrzeit von einer Stunde im Vergleich zu rund 30 Minuten beim Zug zeigt, wie bitter notwendig der Streckenausbau ist, um für Holzminden attraktivere Verbindungen mit Hannover und für das Leinetal herstellen zu können.“ Dass der Ausbau sich bis 2025 hinziehen soll, ist für Reinboth kaum nachvollziehbar, da das Planum der einst zweigleisigen Strecke noch vorhanden sei.  

Reinboth hält es für vorteilhaft, dass der unabhängig von den Sachzwängen der eingleisigen Strecke verkehrende Bus verspätete Metronom-Züge in Kreiensen abwarten kann, während dies bei der NordWestBahn auch bei kleineren Verzögerungen keineswegs sicher ist. Ist die Metronom-Linie RE2 aus Richtung Hannover mehr als 5 Minuten verspätet, sehen die Fahrgäste nach Holzminden in Kreiensen leider oft genug nur noch die Schlusslichter des davonbrausenden Triebwagens. „Bis heute ist es nicht gelungen, zwischen den Verkehrsunternehmen Metronom, NordWestBahn und DB Regio in Kreiensen vernünftige Abstimmungen und Übergangsregelungen hinzubekommen“, kritisiert PRO BAHN.  

„Wir nehmen die – sehr begrüßenswerte – Einführung der Buslinie 500 zum Anlass, um erneut von den Verantwortlichen der Landesnahverkehrsgesellschaft und der Verkehrsunternehmen konkrete Schritte zur Verbesserung der Verhältnisse in Kreiensen zu verlangen.“  



12.08.2018

EcoBus darf keine Konkurrenz zu Bussen und Bahnen werden

Das an diesem Wochenende in die Pilotphase II gestartete Forschungsprojekt „EcoBus“ darf sich nach Ansicht des Fahrgastverbands PRO BAHN nicht zu einer Konkurrenz zu den vorhandenen Bussen und Bahnen entwickeln. „Gerade im ländlichen Raum besteht die Gefahr, dass die Abwanderung selbst kleiner Fahrgastzahlen die ohnehin wenigen Verbindungen so weit ausdünnt, dass sie existenziell gefährdet sind“, warnt PRO BAHN-Sprecher Gerd Aschoff. Der Harz sei schließlich keine großstädtische Verkehrsmetropole, in der auf allen Linien mit hoher Auslastung Verbindungen im Zehn-Minuten-Takt angeboten würden. Hier geht es mehr um ein- oder gar zweistündige Verbindungen. Aschoff: „Gerade erst zu Jahresbeginn hat der Zweckverband Verkehrsverbund Südniedersachsen (ZVSN) eine Angebotsoffensive gestartet, der jetzt nicht Fahrgäste abgegraben werden dürfen.“  

Zwischen Clausthal-Zellerfeld und Goslar gibt es ein gut ausgebautes, teilweise im Halbstundentakt bedientes und auf den Zugverkehr in Goslar abgestimmtes Busliniennetz, welches ebenfalls keine Abwanderung auf konkurrierende Systeme verträgt. Gerade hier erschließt sich der Sinn eines weiteren öffentlichen Verkehrsträgers nicht. "Es gibt durchaus Ecken in Südniedersachsen, in denen nur ein rudimentäres Angebot im Busverkehr besteht. Der Oberharz gehört gerade nicht dazu. Es fragt sich also, was ein Pilotbetrieb hier bezwecken soll“, so der Fahrgastverband.  

PRO BAHN erkenne sehr wohl an, dass die Attraktivität öffentlicher Verkehrsmittel durch die Entwicklung neuer Angebotsformen mittels Digitalisierung gesteigert werden kann, aber es müsse auch berücksichtigt werden, dass der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) in ländlichen Regionen Abwanderungen auch dann nicht verträgt, wenn sie vielleicht gut gemeint sind. Deshalb müsse nicht erst am Ende des öffentlich mit viel Geld geförderten Forschungsprojektes der intensive fachliche Austausch stehen. Aschoff: „In Sachen Transparenz hat das EcoBus-Projekt von Anfang an Defizite gehabt. Nachfragen nach genaueren Zahlen wurden bislang mit formaler Begründung abgewehrt. Das ist angesichts der öffentlichen Bezuschussung, die aus dem ÖPNV-Bereich stammt, nicht hinzunehmen.“  


27.07.2018

Kein Personal für die Stellwerke – Züge zwischen Walkenried und Nordhausen fallen aus


Die Hiobsbotschaften für die Fahrgäste der Bahn im Südharz reißen nicht ab. Nachdem seit Wochen immer wieder Züge aufgrund von fehlenden Lokführern oder technischer Störungen kurzfristig ausfallen, trifft es nun gleich einen ganzen Streckenabschnitt, und das an drei Tagen hintereinander. Am heutigen Freitag sowie am Samstag und Sonntag fährt ab 12.30 Uhr bis Betriebsschluss zwischen Walkenried und Nordhausen (Südharzstrecke RB 80) kein einziger Zug. Darüber informierte die Deutsche Bahn heute Vormittag via Twitter und Homepage https://www.bahn.de/p/view/service/aktuell/niedersachsen.shtml. Grund dafür ist nicht wie behauptet eine Stellwerksstörung, sondern kurzfristig fehlendes Personal auf den Stellwerken. Die drei Vormittagsschichten können besetzt werden, am Nachmittag klappt es nicht mehr. Immerhin kann der Zugverkehr zwischen Göttingen und Walkenried durchgeführt werden, und nach den Meldungen der Deutschen Bahn wird es zu jedem ausfallenden Zug auch einen Ersatzbus geben, der allerdings deutlich länger braucht, weswegen er in Nordhausen ca. 20 Minuten später ankommt und dort ca. 30 Minuten früher als der Zug abfährt. Reisende nach oder von Erfurt oder Halle müssen in Nordhausen auf den nächsten Takt warten.  

Ob im Abschnitt Göttingen – Walkenried alles reibungslos läuft, hängt natürlich auf davon ab, ob DB Regio alle benötigten Lokführer an Bord hat.  

„Die Situation ist so desolat wie noch nie. Verlässliches Reisen mit der Bahn ist kaum mehr möglich. Schuld sind jedoch weder einzelne Lokführer oder Mitarbeiter vom Stellwerk. Verantwortlich ist eine seit Jahren verfehlte Personalpolitik des Konzerns Deutsche Bahn. Das Personal ist überaltert, muss ständig Sonderschichten und Überstunden machen. Das geht eben irgendwann schief. Leidtragende sind freilich nicht die Manager, sondern die Fahrgäste, denen bei 30 Grad im Schatten überlange Reisezeiten zugemutet werden“ formuliert es Michael Reinboth vom Fahrgastverband PRO BAHN Südniedersachsen e.V. Die Entwicklung habe sich über Jahre hinweg abgezeichnet. Im Harz-Weser-Netz kommt hinzu, dass die Umstellung auf elektronische Stellwerkstechnik um viele Jahre verzögert wurde – mit der Folge, dass Stellwerke, die schon längst umgestellt sein sollten, immer noch zu besetzen sind.  

Sowohl DB Netz als auch DB Regio, mit denen wir gestern zusammengesessen haben, sehen mit Ende der Ferien, dem Zugang von neuen Mitarbeitern aus der Ausbildung und punktuellen Stellwerksumstellungen (im Herbst werden drei Stellwerke in Seesen und Bad Gandersheim umgesellt) Licht am Ende des Tunnels. Für eine dauerhafte Entwarnung sieht PRO BAHN aber keinen Grund. Dafür, so Reinboth, stehe die Personalpolitik des Unternehmens viel zu sehr auf wackligen Beinen und beruhe auf dem Prinzip Hoffnung.  



09.07.2018

Fahrgastverband PRO BAHN kritisiert umfangreiche Zugausfälle

Die seit mehreren Wochen im Harz-Weser-Netz auftretenden Zugausfälle haben nach Ansicht des Fahrgastverbands PRO BAHN unerträgliche Ausmaße angenommen. Verbands­sprecher Gerd Aschoff appelliert an Niedersachsens Verkehrsminister Bernd Althusmann, für ein zuverlässiges Zugangebot in Südniedersachsen zu sorgen.  

Seit April fallen auf den Strecken Göttingen-Nordhausen, Northeim-Bodenfelde und Kreiensen-Bad Harzburg immer wieder kurzfristig Züge aus. Zeitweise verkehrt über mehrere Stunden hinweg kein Zug. Nur mit Mühe werden einige Ersatzfahrten mittels Bus oder Taxi organisiert, über die der Fahrgast aber nur dann etwas erfährt, wenn er ständig auf das Smartphone starrt. Anschlüsse gehen reihenweise in die Brüche, Reiseketten reißen. Personal, das Fahrgästen mit Auskünften helfen könnte, ist auf den meisten Bahnstationen zwischen Harz und Weser nicht vorhanden. Die Fahrgäste sind auf sich allein gestellt.  

Wesentlicher Grund für den Ausfall von bis zu 25 Prozent der Zugleistungen sind plötzliche Krankmeldungen von Lokführern. Ende Juni hatte die Deutsche Bahn versprochen, dass sich zum Beginn der Sommerferien die Situation entspannen würde. Urteil von PRO BAHN-Sprecher Aschoff: „Inzwischen müssen wir feststellen, dass sich die Zustände sogar noch verschlimmert haben. Die Bahn ist somit kein zuverlässiges Verkehrsmittel mehr.“ Den bisherigen Höhepunkt erreichte die offensichtlich längste Grippewelle aller Zeiten am vergangenen Wochenende. Es fuhren stundenlang zwischen Nordhausen und Göttingen keine Züge, auch Ersatzbusse waren weitgehend Mangelware. (Aufstellung siehe unten!) Nach unseren Recherchen sind am Samstag im Harz-Weser-Netz 23 Züge ausgefallen. Nur eine Handvoll wurde mit Ersatzbussen einigermaßen aufgefangen. So schlimm war es noch nicht einmal beim GDL-Streik.  

Wie man mit einer solchen Personaldecke überhaupt noch daran denken kann, ab Dezember zusätzlich die reaktivierte Strecke Einbeck–Göttingen zu bedienen, erschließt sich dem Fahrgastverband nicht. Für die Sollingbahn Northeim–Bodenfelde sieht PRO BAHN gänzlich schwarz. „Wenn das so weitergeht, wird auf dieser nachfragearmen Bahnstrecke bald kein Zug mehr fahren“, befürchtet Aschoff. Man müsse jetzt die Stimme erheben bevor es zu spät ist.  

PRO BAHN fordert erneut den Einsatz von Lokführern aus offenbar besser ausgestatteten Regionen und die Einrichtung eines Notfahrplans, bei dem die Züge nicht mehr spontan ausfallen, sondern auf reduzierter Basis ein berechenbares Grundangebot sichergestellt wird. Mit einem solchen Plan wäre es auch deutlich einfacher, einen Schienenersatzverkehr mit Bussen zu organisieren.  

PRO BAHN weist die Fahrgäste darauf hin, dass sie Entschädigungsansprüche haben, wenn sie mehr als eine Stunde später als geplant an ihren Zielbahnhof gelangen. Dies gilt auch für Fahrten innerhalb von Verkehrsverbünden. Entschädigt werden Fahrgäste sowohl mit Einzelfahrschein als auch Zeitfahrkarte. Das Formular (anbei) muss beim Servicecenter Fahrgastrechte,
60647 Frankfurt eingereicht werden. Das gilt auch für die Erstattung von Kosten für Taxi oder Hotel, falls durch den Ausfall von Zügen das Ziel in der Nacht überhaupt nicht mehr erreicht werden kann.


Ausfälle und deren Auswirkungen an einem beispielhaften Verkehrstag

 

Am Samstag, den 7.7.2018 entfielen unvorbereitet:

 

6.39 Nordhausen – Göttingen 8.08 ersatzlos

 

8.48 Göttingen – Northeim 9.01 ersatzlos

 

10.06 Northeim – Nordhausen 11.15 mit Busersatz

 

11.39 Nordhausen – Northeim 12.50 mit Busersatz

 

13.01 Northeim – Bad Harzburg 14.14 mit Busersatz ab Kreiensen

 

13.06 Northeim – Nordhausen 14.15 ersatzlos

 

14.22 Bad Harzburg – Kreiensen 15.11 ersatzlos

 

14.42 Kreiensen – Bad Harzburg 15.29 ersatzlos

 

14.55 Northeim – Göttingen 15.09 ersatzlos

 

15.34 Bad Harzburg – Göttingen 17.09 mit Busersatz bis Kreiensen

 

16.42 Kreiensen – Bad Harzburg 17.29 mit Busersatz

 

17.10 Northeim – Bodenfelde 17.41

 

17.34 Bad Harzburg – Göttingen 19.09 mit Busersatz

 

17.49 Göttingen – Nordhausen 19.15 ersatzlos

 

18.07 Bodenfelde – Northeim 18.39

 

18.48 Göttingen – Bad Harzburg 20.14 im Abschnitt Northeim – Bad Harzburg

 

19.10 Northeim – Bodenfelde 19.41

 

19.39 Nordhausen – Bodenfelde 21.41 ersatzlos

 

20.14 Bodenfelde – Northeim 20.46

 

20.22 Bad Harzburg – Kreiensen 21.11 ersatzlos

 

21.10 Northeim – Bodenfelde 21.41

 

21.23 Kreiensen – Bad Harzburg 22.14 ersatzlos

 

22.14 Bodenfelde – Northeim 22.46

 

Auf der Strecke Northeim – Bodenfelde ruhte der komplette Zugverkehr nach 17 Uhr bis zum Betriebsschluss!




22.06.2018

Zugausfälle verärgern die Fahrgäste

Der Fahrgastverband PRO BAHN in Südniedersachsen ist in hohem Maße beunruhigt über zahlreiche Zugausfälle im Harz-Weser-Netz der Bahn (DB Regio). In den vergangenen Tagen ist eine ganze Reihe von Zügen kurzfristig ausgefallen, etwa zwischen Göttingen und Bad Harzburg, Göttingen und Herzberg sowie Herzberg und Bodenfelde. Grund ist neben technischen Problemen an den Strecken und Fahrzeugen ein akuter Mangel an Triebfahrzeugführern.  

PRO BAHN-Regionalvorsitzender Michael Reinboth: „Dass Züge ausfallen, ist schlimm genug und wirft ein schlechtes Licht auf den Zustand des Öffentlichen Personenverkehrs bei uns. Unter welchen Umständen sie aber ausfallen, ist noch viel schlimmer, nämlich mal heute so und morgen so. Es ist noch nicht einmal ersichtlich, ob wenigstens Ersatzbusse fahren. Die Fahrgäste können sich auf nichts mehr verlassen und auf nichts einstellen.

Dieser Zustand muss umgehend beendet und durch einen vorübergehend zu akzeptierenden „Notfahrplan“ mit klar erkennbaren Verbindungen umgestellt werden, damit man seine Fahrten wieder sinnvoll planen kann."  

PRO BAHN hat sich direkt an DB Regio gewandt und vorgeschlagen, den ab September ohnehin vorgesehenen Baufahrplan der RB82, der einen Stundentakt zwischen Kreiensen und Bad Harzburg und den Ausfall zwischen Kreiensen und Göttingen vorsieht, schon ab kommender Woche in Kraft zu setzen. Ergänzend könnten Halbstundentakte zwischen Braunschweig und Salzgitter-Lebenstedt ausgesetzt werden. An Sonntagen könnte eventuell zwischen Braunschweig und Seesen ausgedünnt gefahren werden.  

Reinboth: „Uns ist auch jede andere Lösung recht, aber unsere Variante böte den Vorteil, dass es überall zeitnahe Alternativen gäbe und die Fahrgäste eine klare Perspektive erhalten. Damit ließen sich auch aufgelaufene Rückstände bei Urlaub und Freischichten abbauen, ohne die Fahrgäste über Gebühr zu treffen.  

PRO BAHN erwartet kurzfristig eine klare und rechtzeitige Kommunikation und eine Lösung im obigen Sinne ab Beginn der nächsten Woche.
 
16.05.2018

Umfassendes Nachschlagewerk der Initiative „Höchste Eisenbahn“ wieder erschienen

Mit dem neuen Titel „Mit Bahn und Bus in den Harz“ ist das Harz-Kursbuch der Initiative „Höchste Eisenbahn für den Südharz“ wieder da. Auf knapp 190 Seiten wird das gesamte Angebot von Bahn und Bus für die Reise in den Harz und für das Reisen und Wandern im Harz umfassend dargestellt, wobei Ausflugs- und Wandertipps, ausgehend von Bahnstationen und Bushaltestellen, einen noch breiteren Raum als früher einnehmen. Das Buch enthält alle Informationen für die An- und Abreise, wobei die Tabellen so aufgebaut sind, dass der Leser auf einen Blick eine Verbindung aus einer Großstadt wie Berlin oder Hamburg bis hin zu einem Zielort im Harz und natürlich auch zurück ablesen kann. Die Gliederung in die Abschnitte Montag bis Freitag, Samstag und Sonn- und Feiertag kostet zwar Platz, erleichtert aber das Auffinden einer Verbindung sehr. Hinzu kommen Informationen zu allen Buslinien in den Harz hinein und im Harz. Hier werden die Fahrpläne auszugsweise dargestellt, vor allem aber werden alle wichtigeren Haltestellen mit den von ihnen ausgehenden Ausflugs- und Wandermöglichkeiten aufgelistet. Das gilt auch für das Netz der Harzer Schmalspurbahnen, denn auch hier gibt es nicht nur Fahrpläne, sondern auch entsprechende Empfehlungen. Informationen über die Harzer Streckenwanderwege, die Oberharzer Wasserwirtschaft, den Karstwanderweg mit ihren jeweiligen Haltestellen, zu Tarifen, zur Gültigkeit der Ländertickets, zu HATIX und zur Urlauberkarte sowie Übersichts-karten ergänzen das Werk. Die Ausgabe Sommer/Herbst 2018 ist ab sofort zum Preis von 4,00 € bei der Initiative, bei den bekannten Verkaufsstellen im Südharz, beim Harzer Tourismus-Verband in Goslar und auf der PRO BAHN-Regionalversammlung am Donnerstag, 31. Mai 2018 um 18.00 Uhr im Restaurant Akropolis Northeim erhältlich.
29.04.2018

Fahrgastverband kritisiert fehlenden Wetterschutz

„Die Fahrgäste sind mal wieder die Dummen!“ Mit Enttäuschung hat der Fahrgastverband PRO BAHN die mangelhafte Einrichtung der Stadtbus-Ersatzhaltestelle in der Jüdenstraße kritisiert. „Göttingen liegt nicht gerade in einer regenarmen Wüste. Deshalb ist es nicht hinnehmbar, dass tausende Fahrgäste an einer der nachfragestärksten Haltestellen in der gesamten Stadt monatelang ohne jeden Wetterschutz auskommen sollen“, beschreibt PRO BAHN-Sprecher Gerd Aschoff das Ärgernis.

Einzige Chance, sich einigermaßen vor Regen zu schützen, biete eine Markise des Friseurgeschäfts an der Ecke Mauerstraße. Voraussetzung ist allerdings, dass die bewegliche Markise heruntergekurbelt werde. Also bleiben die Fahrgäste am Abend und am Wochenende gänzlich ungeschützt. Aschoff: „Dieser Zustand kann bis zum Ende der Ersatzhaltestelle im August nicht hingenommen werden.“

Der Fahrgastverband hatte sich sowohl an die Stadt als auch an die Göttinger Verkehrsbetriebe (GöVB) gewandt. Während die Stadt einfach keine Notwendigkeit sieht, die Fahrgäste vor Niederschlägen einigermaßen zu schützen (anders als etwa bei den Bauarbeiten auf der Groner Straße), haben die GöVB gar nicht geantwortet. Das sei besonders ärgerlich, weil es GöVB-Fahrer sind, die Fahrgäste dafür anpflaumen, dass sie sich bei strömenden Regen unter der Markise stellen weil sie sich nicht nassregnen lassen wollen.

06.03.2018

Fahrgastverband PRO BAHN fordert mehr Informationen zu Baustellen und Sperrungen

Dem allgemeinen Optimismus der Deutschen Bahn hinsichtlich der Investitionen auf der Leinetalstrecke rund um Kreiensen vermag sich der Fahrgastverband PRO BAHN nicht anschließen. „Es reicht keineswegs aus, nebulös Zugausfälle während der umfangreichen Bauarbeiten im Leinetal anzudeuten und auf spätere Information zu verweisen. Die treuesten Kunden der Bahn, die Pendler, haben einen Anspruch darauf, frühzeitig zu erfahren, was an Ausfällen und Verzögerungen im kommenden Jahr 2019 auf sie zukommt, damit sie ihre Pläne zum Erwerb oder zur Verlängerung eines Abonnements überdenken können“, fordert der Regionalvorsitzende Michael Reinboth (Walkenried).  

Insofern seien die jetzt herausgegebenen Informationen unzureichend. Der Fahrgastverband befürchtet, dass  sowohl die diesjährigen Arbeiten im Leinetal als auch die mehrmonatigen ICE-Umleitungen im kommenden Jahr  vor allem zu Lasten des Nahverkehrs geht. „Es ist schon bezeichnend, dass die Erneuerung von Weichen und Gleisen rund um Kreiensen erfolgt, um 2019 die ICE störungsfrei von der Schnellstrecke auf die Altstrecke umleiten zu können. Dass auch Pendler und Reisende im Nahverkehr gern störungsfrei reisen, falle dabei unter den Tisch. Der Nahverkehr muss leiden, um die ICE gut durchs Leinetal zu bekommen – 2018 und auch 2019.“

Reinboth weiter: „Die Planer von DB-Netz wissen schon jetzt recht genau, was alles gestrichen wird. Die Katze wird nur noch nicht aus dem Sack gelassen, um den Jubel über Rekordinvestitionen nicht zu stören. Die bittere Erkenntnis, dass Pendler und andere Bahnkunden monatelang nicht vernünftig reisen können, wird uns später häppchenweise eröffnet“, kritisiert Reinboth.  

PRO BAHN geht davon aus, dass Reisende sowohl aus dem Südharz als auch aus dem Nordharz über Monate hinweg den Knoten Göttingen nur mit erheblich längeren Fahrzeiten und zusätzlichen Umstiegen erreichen können. Für die Nordharzer steht zudem die Erreichbarkeit des Knotens Hannover wegen Bauarbeiten rund um Halberstadt zur Debatte.  

Reinboth: „Gebaut werden muss im Schienennetz, gar keine Frage. Aber die Deutsche Bahn hat hierbei nur ihren Fernverkehr im Kopf. Reisende im Nahverkehr werden an den Rand gedrängt.“ Erneute Kritik übt er auch an der Landesnahverkehrsgesellschaft. „Kreiensen ist schon heute ein Brennpunkt, in dem sich Verspätungen und Anschlussverluste häufen, wogegen seit Jahren nichts getan wird. Während der Bauphase kommen weitere unsichere Umsteigevorgänge hinzu. Vielleicht ringt sich die LNVG endlich dazu durch, wenigstens während der Bauphase für eine personelle Präsenz im Bahnhof Kreiensen zu sorgen und die Fahrgäste nicht auch dann noch allein zu lassen.“ Er fordert von der LNVG auch die frühzeitige Bekanntgabe der Fahrpläne für 2019, so wie dies in Sachsen-Anhalt und Thüringen längst üblich ist.



06.02.2018

PRO BAHN kritisiert Situation am Bahnhof Kreiensen

Der Fahrgastverband PRO BAHN ist mit der Bahnstation Kreiensen „extrem unzufrieden“. „Die Verhältnisse im Umsteigebahnhof, die seit Jahren ein Ärgernis für die Fahrgäste sind, haben sich weiter verschlechtert“, kritisiert der PRO BAHN-Regionalvorsitzende Michael Reinboth. Besonders betroffen seien umsteigende Fahrgäste, die ihren Anschluss verpasst haben. Denen steht nach 16 Uhr kein Aufenthaltsraum mehr zur Verfügung. PRO BAHN sieht neben der Deutschen Bahn und den anderen Eisenbahnunternehmen die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG) in der Pflicht, für Verbesserungen zu sorgen. Reinboth: „Es kommt immer wieder vor, dass Anschlusszüge schon bei geringer Verspätung des zulaufenden Zuges einfach losfahren, ohne auf erkennbar die Treppe heraufhastende Kunden Rücksicht zu nehmen. Hier fehlt es an Koordination und ganz offenbar auch am Willen, diesem unerträglichen Zustand ein Ende zu setzen.“

Seit Jahren verspreche die LNVG Abhilfe durch elektronische Anschlusssicherungen zwischen den Unternehmen Metronom, NordWestBahn und DB Regio. Dazu Reinboth: „Mit Elektronik allein lässt sich das Problem nicht lösen, ganz abgesehen davon, dass die Schnittstellen offenbar nicht zu bewältigen sind. Wir fordern für Kreiensen analog zu Northeim eine Servicekraft, die vor Ort für Ordnung sorgt und Züge so lange aufhält, bis die letzten Kunden eingestiegen sind – oder die sich eben, wenn es denn doch mal nicht klappt, um die gestrandeten Reisenden kümmert. Auf diesem Ohr sind aber sowohl LNVG als auch die beteiligten Bahnunternehmen und DB Station & Service taub.“

Mit dieser Einstellung seien aber kaum Fahrgäste zu halten oder gar neue zu gewinnen. PRO BAHN hat sich wegen der unhaltbaren Situation in Kreiensen erneut an die LNVG gewandt und dringend um Abhilfe ersucht. Beim Sturm „Friederike“ am 18. Januar 2018 war ein in Kreiensen gestrandeter Metronom-Zug letzte Rettung für mehrere hundert gestrandete Fahrgäste, weil selbst in dieser Extremsituation der Aufenthaltsraum pünktlich um 16.00 Uhr