PRO BAHN Pressemeldungen

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Pressemeldung vom 13.03.2015

Der Anteil des Bahnverkehrs auf langer Strecke darf nicht weiter sinken

Eckpunkte für einen besseren Fernverkehr auf der Schiene

(gaf) Am Mittwoch beschließt der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn über Verbesserungen beim schwächelnden Fernverkehr auf der Schiene. Billigflieger und aktuell der Fernbusverkehr setzen den Fernzügen erheblich zu. Das Problem ist aber nicht grundlegend neu, denn der Verkehr auf der Schiene wird massiv benachteiligt. Das große Ziel der Bahnreform vor 20 Jahren, mehr Verkehr auf die Schiene zu verlagern, wurde – anders als im Nahverkehr – weit verfehlt.
Aus Fahrgast-Sicht müssen deshalb sowohl kurzfristige als auch grundlegende Änderungen erfolgen, um das Bahnfahren wieder attraktiver zu machen.
• Dazu gehören eine deutlich höhere Zuverlässigkeit des System Bahn, durch gezielte Schulungen des Personals, reibungslosere Betriebsabläufe und die systematische Durchforstung des Schienennetzes nach Schwachstellen sowie eine Fahrplangestaltung mit zuverlässigen Anschlüssen.
• Die Deutsche Bahn muss ihre Züge besser instand halten und eine ausreichende Betriebs- und Werkstattreserve bereit halten, um Zugausfälle zu vermeiden.
• Bahnfahren muss wieder preisgünstiger werden. Solange eine einfache Fahrt mit dem ICE zum Normalpreis etwa von Frankfurt nach München über 100 Euro kostet, die Fernbus-Reise mit gleichem Ziel aber für nur 25-40 Euro zu haben ist, stimmen die Verhältnisse einfach nicht mehr. Wir fordern ein leicht überschaubares Tarifsystem unter Einbeziehung der Sparpreise, die in verständlichen Stufen Rabatte einräumen. Umbuchungen dürfen nicht länger mit zu hohen Stornogebühren belastet werden. Reservierungen sind mit 4,50 Euro pro Person und Strecke deutlich zu teuer.
• Um Fahrgästen Stress zu ersparen, benötigen wir ein besseres Informationssystem. Das WLAN im Zug muss nicht nur den (freien) Zugang zum Internet herstellen, sondern auch zu Information und Unterhaltung (Bordprogramm). Die Bahn braucht ein Platzbuchungssystem, durch das leichter ersichtlich ist, welche Plätze noch frei sind und noch Last-Minute verkauft werden können.
• Fahrgäste benötigen mehr Platz für ihr Gepäck. Den Klagen über unbequeme Sitze und Platzmangel muss gezielt nachgegangen werden.
• Bundesregierung und Bundestag müssen sich wieder ihrer Verantwortung als Eigentümer für den Fernverkehr auf der Schiene bewusst werden. Dazu ist gemäß Grundgesetz Artikel 87e Absatz 4 ein Bundesgesetz zur Gewährleistung des Schienenpersonenfernverkehrs zu erlassen. In dieses Gesetz gehören Zuschussregelungen für den Fall, dass die Deutsche Bahn gewünschten Verkehr eigenwirtschaftlich nicht erbringen kann. Es darf dem Unternehmen nicht länger allein überlassen bleiben, höhere Standards und bessere Angebote mit Hinweis auf die Eigenwirtschaftlichkeit abzulehnen. Zudem müssen Fernbusse mit einer angemessenen Infrastrukturabgabe (Maut) belegt werden. Das Trassenpreissystem muss für Mehrverkehr auf der Schiene attraktiver werden.
• In Regionen, wo der Fernverkehr allein nicht zukunftsfähig ist, muss er tarif- und fahrplanmäßig in das Gesamtsystem integriert und mit dem Nahverkehr abgestimmt werden. So fahren im „Niedersachsen-Modell“ zwischen Bremen und Norddeich abwechselt Nah- und Fernzüge, in denen die gleichen Fahrkarten gelten, also im Fernzug auch das Niedersachsen-Ticket und das Schöne-Wochenend-Ticket.
Gerd Aschoff, Bundespressesprecher

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v.i.S.d.P.: Gerd Aschoff

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