Auch das wird immer wieder gefragt. Es gibt eine ganze Reihe von
Begriffen, die Menschen in Zügen, Bussen und auf Bahnhöfen benennen.
Doch keiner passt so richtig.
Sollen wir "Reisende" sein? Reisender ist jemand, der unterwegs ist.
"Reisender" sagt gar nichts über Wünsche und Bedürfnisse. Die DB hätte
gern Reisende, denn sie sind ganz anspruchslos.
Sollen wir "Kunden" sein? Ein Kunde ist jemand, der in den Laden kommt,
kauft, was gerade angeboten wird, meckert, und wieder geht. Ein Kunde
verweilt nicht. Die Hauptsache, er lässt sein Geld da. Dann ist er
"König". Aber wohlfühlen muss der Kunde sich nicht. Hoffentlich ist er
bald wieder weg, damit der nächste bedient werden kann.
Sollen wir "Passagiere" sein? Der Begriff kommt aus der Seefahrt, und
die Luftfahrt hat nur alles abgekupfert, was einmal für die
Übersee-Reisen wichtig war. Mit der Bahn wollen wir nicht nach Amerika.
Wollen wir "Gast" sein? Gäste sieht man gern, Gäste verweilen ein wenig.
Gästen bietet man Speis und Trank und ein Nachtlager.
Das muss keineswegs "gratis" sein. Im Gasthaus hat es schon immer etwas
gekostet. Aber ein guter Gastwirt bietet mehr als ein "Produkt". Aus der
Sicht der DB ist das Geld wichtig, deshalb sieht sie lieber Kunden als
Gäste. "Kunden" kaufen "Produkte", "Gäste" verlangen mehr, nämlich
Gastlichkeit. Gastlichkeit verlangt beispielsweise eine Armlehne, ein
bisschen Aufmerksamkeit, ein bisschen Betreuung. "Kundschaft" verlangt
nur "möglichst schnell oder billig ans Ziel, und dann nichts wie weg aus
dem Laden." Wir bleiben Fahrgäste, die Gastlichkeit verlangen. Wir
dienen nicht der Technik - sie soll uns dienen.
Noch mehr Gegenargumente?
Dass weibliche Fahrgäste sich durch den Artikel "der" vor Fahrgast nicht
angesprochen fühlen, glauben wir nicht. Diese Vorstellung ist geprägt
von einem Zeitgeist, der nicht auf Dauer bleiben wird. Bemerkenswert ist
doch, dass der Artikel "die" vor "Bahn" auch nicht dazu geführt hat,
dass sich Frauen in größerem Ausmaß engagieren. Der öffentliche Verkehr
ist eine Männerdomäne, und das erklärt einen guten Teil seiner Mängel.
Die Frage, ob PRO BAHN e.V. sich für den Güterverkehr einsetzen darf,
hat bereits manche heiße Diskussion im Verband ausgelöst. Man muss
wissen, dass das europäische und das deutsche Recht eine scharfe Grenze
zwischen Verbraucher und Unternehmen ziehen. PRO BAHN ist ein
Verbraucherverband. PRO BAHN kann und wird sich daher für den
Güterverkehr auf der Schiene einsetzen, wenn dieser das Angebot für die
Fahrgäste verbessert.
"der Fahrgast" - und der Verband, der dahinter steht
Ein Verband, der ein Verbandssorgan ideell und finanziell trägt, ist nur so
gut wie seine Mitglieder. Die Erfahrung zeigt, dass in den Reihen der
Mitglieder von PRO BAHN e.V. mehr Fachwissen und Kompetenz vereint ist,
als viele annehmen. Diese Fachkompetenz zur Geltung zu bringen und denen
mitzuteilen, die den öffentlichen Verkehr organisieren und bezahlen,
wird die Aufgabe von der Fahrgast bleiben. Deshalb bleibt auch der
Untertitel "PRO BAHN Zeitung" bestehen.