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Rede des
niedersächsischen Pro Bahn-Landesvorsitzenden
zur Verleihung
des Silbernen Schienennagels 2011 am 02.04.2011 in Nordstemmen (Spaß-Stationsansage Nordstemmen mit „Maddin“)
Ja meine Damen und Herren, mit diesem kleinen akustischen Schmankerl sind wir auch
schon mittendrin in unserer Verleihung des Silbernen Schienennagels 2011
hier in Nordstemmen. Ich begrüße Sie alle ganz herzlich. Besonders begrüßen
möchte ich die beiden Preisträger, Herrn Henning Weize und Herrn Dr. Carsten
Hein mit Familie. Ferner freue ich mich besonders, dass wir als Laudator
Herrn Dr. Wolf Gorka gewinnen konnten. Herr Dr. Gorka war von 2001 bis 2008
Geschäftsführer der Landesnahverkehrsgesellschaft und wurde selber mit dem
Silbernen Schiennagel 2005 ausgezeichnet. Als Vertreter Nordstemmens kann
ich heute zwar nicht Prinzessin Caroline oder Prinz Ernst August begrüßen,
aber Herr Bürgermeister Bothmann ist anwesend und wird im Anschluss ein
Grußwort sprechen. Ferner begrüße ich noch Herrn Landrat Wegner. Seien Sie
alle herzlich willkommen!
Nach Herrn Bürgermeister Bothmann werde ich selbst
einige Ausführungen aus der Sicht der Fahrgäste machen, ehe Herr Dr. Gorka
die eigentliche Laudatio halten wird. Nach der Übergabe des Preises sind Sie
dann zu einem Imbiss eingeladen, ehe um 13.30 Uhr unsere offizielle
Landesversammlung beginnt.
Zunächst übergebe ich das Wort jedoch an Herrn
Bürgermeister Bothmann.
Unsere heutigen Preisträger sind vielen von Ihnen
als langjährige Geschäftsführer der metronom Eisenbahn Gesellschaft noch
immer sehr präsent. Die Gründung und der Aufbau dieses Unternehmens ab dem
Jahr 2002 war bundesweit eine besondere Erfolgsgeschichte.
Herr Dr. Hein und Herr Weize hatten die Aufgabe übernommen, erstmals
eine attraktive Konkurrenz zu den Zügen der dominierenden Deutschen Bahn
aufzubauen – und zwar im Verkehr der Metropolregion Hamburg. Gab es bis
dahin in Niedersachsen erst zwei private Eisenbahnen, die mit
Dieseltriebwagen auf eher kleinen Strecken fuhren, so ging es hier von
vornherein darum, im Berufsverkehr mehrere tausend Reisende zu befördern. Zu
den Anfängen und der Entwicklung dieses Projektes werden wir im Anschluss
von Herrn Dr. Gorka sicherlich noch viel Wissenswertes erfahren. Doch nun zu den besonderen Gründen, die aus der Sicht
von uns Fahrgästen preiswürdig sind. Da sind zum einen die Innovationen, die
beide gemeinsam mit ihren Mitarbeitern bei metronom eingeführt haben und bei
denen sie jeweils die ersten im bundesweiten Nahverkehr waren. Von Anfang an bot metronom einen neuen Service für
Pendler: die kostenlose Stammplatzreservierung. Ich glaube, dass gerade
dieser Service zu einer hohen Bindung der Fahrgäste an das Unternehmen
geführt hat. Denn vom reservierten Sitzplatz im Berufsverkehr – ein
Systemmerkmal des eigenen Pkws - können Fahrgäste in den allermeisten
anderen Regionen Deutschlands nur träumen. Seit Anfang diesen Jahres wird
der Service allerdings von den metronom-Fahrgästen schmerzlich vermisst –
wir hoffen, es gab keinen Abschied für immer von diesem bewährten
Kunden-Service. Eine weitere Idee waren die jährlichen Ausflugsfahrten
als Dankeschön an die Stammkunden für 10 Euro nach Berlin. Ein Riesenerfolg:
Die Züge waren stets ausgebucht, denn wann gab es sonst die Gelegenheit, von
Nörten-Hardenberg oder Warstade-Hemmoor im Sonderzug direkt nach Berlin zu
fahren? Hier wurde einfach der direkte Weg gewählt: Dem Kunden einen
Zusatznutzen geben, statt teures Hochglanzmarketing zu bezahlen. Auch hier
in der Regelmäßigkeit eine bundesweite Einmaligkeit. Die Eisenbahn ist für viele Bürger durchaus mit Emotion
verbunden. Die Bahnen erleben das bei „Stuttgart 21“ oder bei der Streichung
von Zügen negativ. Positive Emotionen zu wecken war die Aufgabe der Homepage
„metronom4you“. Alltagsfotos von metronom oder die Züge in der Landschaft
wurden hier in Fotogalerien präsentiert. Die schönsten Motive wurden darüber
hinaus in den Zügen plakatiert – eine Tradition, die heute bereits
abgerissen ist. Bei diesen Ideen ist für mich der Gedanke klar zu
erkennen, die Fahrgäste eng mit dem Unternehmen zu verknüpfen. Es sind zwei
prägnante Gegenbeispiele für den von Pro Bahn häufig gebrauchten Satz: „100
Fahrgäste sind leichter abzuschrecken, als 1 neuer zu gewinnen.“ Hier sieht
man, welche Fantasie für den 1 Fahrgast aufgewendet wurde. Und es ist ja
nicht bei dem einen gewonnenen Fahrgast geblieben. Pro Bahn wünscht sich,
dass viele weitere Eisenbahnunternehmen diesen „Wettbewerb um den Fahrgast“
aufnehmen. Emotionen gehen in verschiedene Richtungen. Eine
weitere Idee, negative Emotionen zu vermeiden, war das Präventionsprogramm
bei metronom. Der „Maddin“, der zu Beginn unserer Veranstaltung vor dem
„Prügelprinzen hier in Nordstemmen“ warnte, war ein Teil dieser Prävention.
Mit einem Stimmenimitator wurden zu fast allen metronom-Halten witzige
Stationsansagen aufgenommen, die immer einen Bezug auch zu den
Besonderheiten des Ortes aufwiesen. So gab es für Langenhagen die Ansage,
die Landung werde vorbereitet und die Temperatur betrage angenehme 20 Grad,
Edmund Stoiber warb mit seiner „Transrapid-Rede“ für das „direkte
Hineinfahren in den Hbf Elze“ oder Peter Maffay hoffte, durch die Heilkräfte
des Bantelner Naturbades noch zu wachsen. Die Ansagen sorgten stets für
Heiterkeit unter den Fahrgästen – und das war genau der Grund: Das
Stimmungsklima sollte damit gehoben werden, um mögliche Stresssituationen im
Zug zu entspannen. Diese Stresssituationen erst gar nicht aufkommen zu
lassen, ist schließlich das Ziel der großen Kampagne „,metronom
alkoholfrei“. Unbeirrt von mancher Kritik im Vorfeld hatten Herr Dr. Hein
und Herr Weize dieses Projekt ein Jahr lang in mehreren Stufen angelegt und
vor allem auch für zusätzliches Personal für die Durchsetzung des
Alkoholverbotes gesorgt. Schon wenige Monate nach Beginn des Alkoholverbotes
nahm der Müll im Zug um etliche Tonnen ab, die Sauberkeit stieg in gleichem
Maße an, wie die Aggression abnahm. Natürlich gibt es auch heute noch
Gruppen oder einzelne, die sich partout nicht an das Verbot halten wollen.
Doch die Signalwirkung ist bei den Fahrgästen angekommen, Umfragen zeigen
eine 80 %ige Zustimmung. Meine Damen und Herren, ich könnte Ihnen noch zu vielen
weiteren „dienstlichen“ Ideen der beiden Herren wie den
Twitter-Verspätungsservice, den Aufbau eines eigenen Vertriebs oder oder...
etwas erzählen, doch ich möchte nun auch auf die persönlichen Leistungen von
Herrn Dr. Hein und Herrn Weize zu sprechen kommen, denn sie erhalten den
Silbernen Schienennagel ja nicht nur für ihre langjährige Führung eines
Eisenbahnunternehmens. „Engagiert in Bewegung“ – dieses Motto von metronom
trifft 1 : 1 auch auf Herrn Weize und Herrn Dr. Hein zu. Beide haben z. B.
an den Berlin-Fahrten regelmäßig persönlich teilgenommen – ein Ausdruck der
Wertschätzung gegenüber ihren Fahrgästen und Kunden. Die Fahrten, die
ohnehin schon perfekt organisiert waren, erhielten dadurch noch ein eigenes
Qualitätsmerkmal. Fragen und Probleme der Fahrgäste erreichten so direkt und
ungefiltert die Geschäftsführung des Unternehmens – keine
Selbstverständlichkeit, meine ich. Beim ersten Pro Bahn-Besuch in Uelzen 2005 haben beide
Herren anhand der Umlaufpläne der metronom-Züge mit uns spontan die
Möglichkeiten für Zugdurchbindungen von Hamburg nach Göttingen diskutiert.
Diese hohe Fachlichkeit im Detail ist bei vielen Führungskräften der
deutschen Eisenbahnen bei weitem nicht mehr selbstverständlich – doch die
Leitung von metronom war eben mit gelernten, „richtigen Eisenbahnern“
besetzt: Herr Weize war lange Jahre Fahrdienstleiter und Lokeinsatzplaner
bei der DB und Betriebsleiter bei der OHE, Herr Dr. Hein u. a.
Betriebsleiter bei den Verkehrsbetrieben Peine-Salzgitter und den
Eisenbahnen und Verkehrsbetrieben Elbe-Weser. Beiden Herren war es auch selbstverständlich, in
deutlicher Form Position öffentlich wie nichtöffentlich für eine gute
Entwicklung des Bahnverkehrs zu beziehen: Auf einer Berlin-Fahrt vor 5
Jahren gab es eine intensive Diskussion und Aufklärung darüber, welche
Probleme in Niedersachsens Schieneninfrastruktur durch den Seehafenverkehr
in den kommenden Jahren zu erwarten sein würden. Wenn sich dann z. B. Pro
Bahn öffentlich aufregt, dass im Leinetal Überholgleise für den Güterverkehr
abgebaut wurden, bekamen wir im selben Zeitungsartikel Unterstützung aus
Uelzen – ein ideales Pingpong-Spiel, um das Anliegen nachdrücklich in der
Öffentlichkeit vorzutragen. Egal, ob es um den Abbau von Überholgleisen oder um die
Benennung von Mängeln in der täglichen Betriebsabwicklung auf den Schienen
von DB Netz ging: Herr Dr. Hein oder Herr Weize wurden häufig mit eigenen
Aussagen zu niedersächsischen Bahnthemen in der Presse zitiert, die aus
Fahrgastperspektive meist 1 : 1 unterschrieben werden konnten. Erst vor wenigen Wochen konnten wir Herrn Dr. Hein
dafür gewinnen, als unabhängiger Experte auf einer öffentlichen
Veranstaltung in Braunschweig für die Weiterentwicklung des Schienenverkehrs
zu sprechen. Der Zeitungsartikel am nächsten Tag trug den Titel: „Züge zu
streichen, ist gefährlich.“ Herr Dr. Hein, allein für diese Aussage müssten
wir Ihnen zusammen mit dem Schienennagel heute schon die Pro
Bahn-Ehrenmitgliedschaft überreichen! Und Herr Weize hat nur wenige Monate nach seiner
Trennung von metronom bereits in Form der „Bürgerbahn“ ein neues
Eisenbahnunternehmen gegründet und sich an einer ersten Ausschreibung
beteiligt. In einem Fernsehinterview hat er betont, dass in der
Eigentümerstruktur der Gesellschaft sich keine Konzerne befänden, sondern
Menschen, die auch Eisenbahn benutzen und Eisenbahn lieben. Und, meine Damen
und Herren, hier schließt sich der Kreis: Nicht nur, dass Herr Dr. Hein und
Herr Weize ihren Beruf „ordentlich erlernt“ haben und vom Fach sind, nein,
auch die emotionale Seite haben sie mit ihrer Tätigkeit stets verbunden.
Fahrgäste haben Emotionen, und diese glückliche Kombination von Können und
Emotion war in den vergangenen Jahren für den Erfolg des metronom als
Vorzeigeobjekt im niedersächsischen Nahverkehr maßgeblich. Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und gebe das
Wort nun an Herrn Dr. Gorka. .... Kommen wir nun zur Übergabe der silbernen
Schienennägel. Traditionell wird bei Pro Bahn ja immer „nur“ der
Fahrgastpreis in Silber verliehen, denn der Preis soll immer auch ein
Ansporn sein, uns vielleicht auch einmal von einer „goldenen Leistung“ zu
überzeugen. Herr Weize, in dem angesprochenen Fernsehinterview
haben Sie den Satz gesagt: „Der innere Antrieb von Dr. Hein und mir für die
Eisenbahn und die Menschen ist nach wie vor da.“ Ich glaube, dass ist nach
den heute zu würdigenden Erfolgen genau die richtige Einstellung, sich bei
Pro Bahn eines Tages um den Goldenen Schienennagel zu bewerben. Blicken Sie
weiter über den Tellerrand reiner Unternehmensinteressen, halten Sie
weiterhin die Fahrgastinteressen hoch. Wir freuen uns darauf, wenn Sie auch
in Zukunft aktive Rollen in der Bahnlandschaft Niedersachsens spielen
werden. Wir bei Pro Bahn können die Trennung des Unternehmens
metronom von Ihnen nicht nachvollziehen und glauben, dass Ihre Verdienste um
die niedersächsischen Fahrgäste bisher zu Unrecht nicht gewürdigt wurden.
Dieses nachzuholen ist unser Anliegen. Deshalb erhalten Sie heute den Pro
Bahn-Fahrgastpreis „Silberner Schienennagel 2011“. Meine Herren, herzlichen Glückwunsch!
gez. Björn Gryschka, Bad Salzdetfurth Vorsitzender
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