PRO BAHN Bundesverband/Landesverband Mitteldeutschland

Deutsche Bahn plant Stilllegung einer vom Hochwasser geschädigten Strecke

München/Dresden - (bv/sa) Trotz aller Dementis: Die erste vom Hochwasser geschädigte Bahnstrecke steht vor dem Aus. Die Deutsche Bahn (DB) hat die Schienenstrecke Glauchau - Großbothen (-Leipzig) zur so genannten "Abgabe der Infrastruktur an Dritte" ausgeschrieben. Diese Ausschreibung ist ein vom Gesetzgeber vorgeschriebenes Verfahren, um vor einer geplanten Stilllegung anderen privaten Infrastrukturunternehmen die Möglichkeit einer Übernahme der Strecke zu geben. Sollte sich kein Unternehmen für einen Weiterbetrieb der Strecke finden, kann die DB die Strecke stilllegen.

Dazu Stefan Jugelt - Landesvorsitzender Pro Bahn Mitteldeutschland: "Damit sind die von unserem Verband wenige Tage nach dem Hochwasser geäußerten Befürchtungen Wirklichkeit geworden. Die DB nimmt das Hochwasser zum Anlass, sich von - aus ihrer Sicht - nicht mehr benötigten Strecken zu trennen. Den Menschen aus den Hochwasserregionen soll nun noch ihre Bahn genommen werden."

Die Linie Glauchau-Großbothen wurde von der DB in den vergangenen Jahren sträflich vernachlässigt. So gibt es seit 1999 wegen der unterlassenen Sanierung einer Weiche im Bahnhof Rochlitz bereits auf einem Abschnitt Schienenersatzverkehr. Das Hochwasser wird nun als Vorwand genommen, sich endgültig von der Strecke zu trennen. Neben der Bahnlinie Glauchau - Großbothen ist das Schicksal weiterer Strecken, wie der Schmalspurbahn Freital-Kipsdorf oder der Strecke Pockau-Marienberg unklar. Eine eindeutige Entscheidung über den Wiederaufbau ist bisher noch nicht gefallen.

Pro Bahn fordert die Politik auf, die Stilllegung von Strecken in den Hochwassergebieten zu verhindern. Jugelt: "Der Bund hat für die Sanierung der Hochwasserschäden an den Bahnanlagen 650 Mill. Euro - zusätzlich zur verbesserten Finanzausstattung der DB-Netz - bereitgestellt. Diese dürfen nicht nur in die Sanierung der Hauptstrecken fließen. Wenn die DB einige Strecken nicht weiter betreiben will, dann soll sie diese an private Betreiber abgeben. Die Sanierungsmittel sollen diesen dann zur Verfügung gestellt werden."

Für die Sanierung von Schienenstrecken durch private Betreiber gibt es in Sachsen bereits einige Beispiele. Jugelt: "Das Hochwasser bietet die Chance, das Erfolgsmodell der privaten Sanierung von Bahnlinien weiter auszubauen. So konnte beispielsweise die Bahnlinie von Freiberg nach Holzhau von einem privaten Betreiber zu ca. einem Drittel der von der DB veranschlagten Kosten ausgebaut werden. Und das entlastet den Steuerzahler."

Die Ausschreibung:
http://www.bahn.de/konzern/netz/infrastruktur/die_bahn_strecke08_0612. shtml

Kontakt:
LV Mitteldeutschland: Stefan Jugelt 0171/6071984

Verantwortlich:
Andreas Barth, Sprecher Bundesverband, 0173-3545069


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