In diesen Tagen feiert die Flughafen-S-Bahn Dresden ihr 5jähriges Jubiläum. Die schnelle Anbindung des Dresdner Nordens mit einem dichten Angebot hat zu einer Steigerung der Fahrgastzahlen geführt. Dennoch gibt es an der Strecke noch Erschließungsdefizite. Hier ist insbesondere der Bereich der Stauffenbergallee mit zahlreichen wichtigen öffentlichen Einrichtungen zu nennen. Der Landesverband PRO BAHN Mitteldeutschland fordert daher die Fertigstellung des vor 85 Jahren infolge des 1. Weltkrieges unvollendet gebliebenen Haltepunktes "König-Georg-Allee" (jetzt "Olbrichtplatz").
Beim bevorstehenden Umbau der Königsbrücker Straße ist mit erheblichen Einschränkungen für die Fahrgäste zu rechnen. Die beiden wichtigen Strassenbahnlinien 7 und 8 werden während der Baumassnahme nicht zur Verfügung stehen. Eine hilfreiche Lösung für die Zeit des Schienenersatzverkehrs ist die Einrichtung eines Haltepunktes an der Stauffenbergallee. Der Raum für den Bahnsteig zwischen den Gleisen und der Treppenabgang zur Straße sowie der Dienstraum unter dem Gleis nach Dresden sind noch vorhanden. Lediglich der Bahnsteig muss errichtet werden. Durch diesen Haltepunkt kann der Schienenersatzverkehr (SEV) der Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) erheblich entlastet werden. Mit diesem Papier wollen wir die öffentliche Diskussion anstoßen, den Haltepunkt schnell in Betrieb zu nehmen. Warum also noch 10 Jahre warten?
Der Haltepunkt "König-Georg-Allee" (heute Stauffenbergallee) wurde bereits beim Umbau der Bahnanlagen im Jahr 1915 vorbereitet. Bei der Auflassung des beschrankten Bahnübergangs der Bahnlinie Dresden Görlitz über die heutigen Stauffenbergallee wurde die Strasse tiefer gelegt und mit der heute noch bestehenden Brücke überquert. Damals war der Bau eines Haltepunktes auf der Südseite der Brücke bereits vorgesehen. Beim Bau der Brücke wurden die heute noch vorhandene Treppenanlage und Räume für die Anlage eines Fahrkartenverkaufs bzw. einer Toilettenanlage vorgesehen. Zwischen den Gleisen wurde auf einer Länge von ca. 150 m das Planum für die Anlage eines Zwischenbahnsteiges vorbereitet. Durch den 1. Weltkrieg kam es aber nicht mehr zu einer Realisierung. Die Treppen und die vorgesehenen Nebenräume wurden mit einer Betonmauer verschlossen.
In den vergangenen Jahren gab es verschiedene Untersuchungen zur Einrichtung dieses Haltepunktes, so beispielsweise einen Variantenvergleich verschiedener baulicher Lösungsmöglichkeiten. Im gültigen Nahverkehrsplan für den Raum Oberelbe ist der Haltepunkt im "Zielnetz 2015" vorgesehen.
Die derzeitige Planung sieht eine Errichtung des Haltpunktes "Stauffenbergallee" auch unter dem Arbeitstitel "Olbrichtplatz" bzw. "Albertstadt" bekannt - auf der Brücke über die gleichnamige Strasse vor. Beispiele für eine derartige Lösung existieren bereits in Dresden- Reick und Dresden-Dobritz. Eine Einbeziehung des bereits vorhandenen Planums ist nur teilweise geplant.
Der Haltepunkt "Stauffenbergallee" bindet wichtige Verkehrsquellen und senken an das Dresdner Nahverkehrsangebot an. Neben den umgebenden Wohnstandorten haben sich in den vergangenen Jahren zahlreiche öffentliche Einrichtungen im Umfeld etabliert. Besonders hervorzuheben ist dabei das Armeemuseum Dresden, welches derzeit durch einen Umbau eine Erweiterung der Ausstellungsflächen erfährt. Damit werden künftig höhere Besucherzahlen einhergehen.
Die Anbindung des Hechtviertels und der Albertstadt erschließt ein Potential von ca. 3000 Personen.
Einige wichtige öffentliche Einrichtungen im Bereich des geplanten Haltepunktes sind inkl. ihrer Mitarbeiter bzw. Besucherzahlen in der folgenden Tabelle aufgeführt:
| Mitarbeiter | Besucher | |
|---|---|---|
| Militärhistorisches Museum | 80 fest + 30 zeitlich | 80.000 (ab 2008 über 100.000 geplant) |
| MDR-Landesfunkhaus Sachsen | 170 | Nicht bekannt |
| Landesvermessungsamt | 337 | |
| Amtsgericht, Außenstelle Olbrichtplatz | 165 | |
| Kassenärztliche Vereinigung | 230 |
Neben der direkten Erschließung der umgebenden Wohnstandorte und Arbeitsstätten bietet der Haltepunkt die Möglichkeit, Umsteigebeziehungen zu wichtigen Straßenbahn- (Linien 7 und 8) und Buslinien (Linie 91) und die der Dresdner Verkehrsbetriebe AG herzustellen. Hiermit können insbesondere Stadtteile eine Anbindung an die S-Bahn erhalten, die derzeit nur ungünstig mit der S-Bahn erreicht werden können.
Die bauliche Realisierung des Haltepunktes kann ohne umfangreiche Bauarbeiten umgesetzt werden. Das vorhandene Planum und die bereits vorhandene Treppenanlage erfordern lediglich den Aufbau des Bahnsteiges und die Sanierung der Treppenanlage. Kritisch ist bei der Verwendung des vorhandenen Planums, dass sich problemlos lediglich eine Bahnsteiglänge von 120 Metern realisieren lässt. Eine wünschenswerte Bahnsteiglänge von 140 Metern, der Standard für Neubaubahnsteige im Dresdner S-Bahnnetz, lässt sich nur unter Einbeziehung der Brücke über die Stauffenbergallee erreichen. Die Länge des verfügbaren Planums lässt nach unseren Recherchen den Bau eines 120-m-Bahnsteiges zu. Dies sollte noch genauer untersucht werden, da wir keine exakte Vermessung der örtlichen Gegebenheiten vornehmen konnten. Im Anhang haben wir eine Visualisierung der Größenverhältnisse Bahnsteiganlage auf einem Luftbild eingezeichnet. Die verfügbare Bahnsteigbreite verringert sich von 6,5 m am Brückenkopf auf 4,5 m am Bahnsteigende in Richtung Dresden-Neustadt.
Der Haltepunkt sollte als Mittelbahnsteig auf dem vorhandenen Planum mit einer Bahnsteigkantenhöhe von 550 mm aufgebaut werden. Die Länge ist so vorzusehen, dass die derzeit auf dem Abschnitt Dresden-Neustadt - Dresden-Klotzsche verkehrenden Fahrzeuge halten können, insbesondere die Züge der S 2 Pirna Dresden-Flughafen. Um dies sicherzustellen muss die Bahnsteiglänge mindestens 120 m betragen. Mit dieser Konfiguration lässt sich die derzeit längste auf dem Streckenabschnitt verkehrende Zugkomposition, eine Dreifachtraktion VT 642 "Desiro", am Bahnsteig unterbringen. Dies ist am Standort möglich.
Um einerseits eine schnelle Wirksamkeit des Haltepunktes zu erreichen und andererseits die baulichen Aufwendungen zunächst gering zu halten, schlagen wir daher die Realisierung des Haltepunktes in verschiedenen Bauabschnitten vor. Dies ermöglicht eine stufenweise Verbesserung der der Anbindung des Umfeldes des Haltepunktes. Im Folgenden werden wir zwei mögliche Ausbaustufen vorstellen.
| Ausbaustufe 1 | Der Bahnsteig wird mit einer baulichen Länge von 120 Metern auf dem vorhandenen Planum errichtet. Der Zugang zum Bahnsteig erfolgt über die Treppe zur südlichen Straßenseite der Stauffenbergallee. |
| Vorteil |
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| Nachteil |
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| Ausbaustufe 2 | Der Bahnsteig wird mit dem Neubau der Brücke Stauffenbergallee auf eine bauliche Länge von 140 Metern erweitert. Der Zugang zum Bahnsteig erfolgt über die Treppe zur südlichen Straßenseite der Stauffenbergallee und über einen weiteren Abgang zur Stauffenbergallee auf der Dresden-Klotzscher Seite des Bahnsteiges. Die Verknüpfung zur Haltestelle Stauffenbergallee der DVB ist über diesen Zugang herzustellen. Für die Buslinie 91 sollte eine Verknüpfungshaltestelle direkt unter der Brücke hergestellt werden. |
| Vorteil |
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| Nachteil |
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Der Zugang zum Bahnsteig sollte ausschließlich über die zwischen den beiden Brücken befindliche Treppenanlage zur Stauffenbergallee erfolgen, in der Variante 2 ebenfalls auf der nördlichen Seite. Ein behindertengerechter Zugang ist über einen Treppenlift möglich. Dieser Zugang ist beispielsweise auf dem Haltepunkt Neidenfels so realisiert [3]. Dieser stellt eine kostengünstigere und platzsparende Möglichkeit des Bahnsteigzugangs für mobilitätsbehinderte Personen dar, als dies mit einem Aufzug möglich ist. Ein weiterer Zugang zum Bahnsteig, beispielsweise mit einem Tunnel am Südende des Bahnsteiges, ist aus unserer Sicht nicht erforderlich.
Die Bahnsteigmöblierung sollte in einer Standardausstattung (Beleuchtung, Wetterschutz, Fahrplanaushang, Uhr) eingerichtet werden.
Sollte zu einem späteren Zeitpunkt der komplette Umbau der Brücke Stauffenbergallee anstehen, kann der bereits errichtete Bahnsteig über die Brücke verlängert werden. Damit kann eine Bahnsteiglänge von 140 m erzielt werden, die den Halt längerer Zugkompositionen ermöglicht. Während der Bauzeit der Brücke ist ein Betrieb des Haltepunktes möglich.
Das derzeitige Fahrtenangebot auf der Strecke zwischen Dresden-Neustadt und Dresden Klotzsche gehört mit Abstand zu den dichtesten SPNV-Angeboten innerhalb der Stadt Dresden. Die Überlagerung der S-Bahnlinie S 2, der Regionalbahnen nach Königsbrück, Kamenz, Görlitz und Zittau ergeben eine sehr hohe Angebotsdichte von bis zu 7 Zügen des Nahverkehrs pro Stunde. Das derzeitige Angebot ist in der folgenden Tabelle aufgeführt:
| Linie | Angebot werktags | Angebot Sonnabend | Angebot Sonn- und Feiertag |
|---|---|---|---|
| S 2 (Pirna ) Dresden Hbf Dresden-Flughafen | 30-Takt | 30-Takt | 30-Takt |
| RB 33 Dresden-Neustadt Königsbrück | 1-h-Takt | 2-h-Takt | 2-h-Takt |
| RB Dresden-Neustadt Kamenz | 1-h-Takt | 1-h-Takt | 2-h-Takt |
| RB Dresden Görlitz | 1-h-Takt | 1-h-Takt | 2-h-Takt |
| RB Dresden Zittau | 1-h-Takt | 1-h-Takt | 2-h-Takt |
Dazu kommen noch die im 2-h-Takt verkehrenden RE-Züge nach Görlitz und Zittau und einzelne Züge der Lausitzbahn. Beide Angebote sollten keinen Halt an der Stauffenbergallee bekommen.
Die Bedienungsvariante stellt den Ausbauzustand des Haltepunktes mit einem Bahnsteig mit einer Länge >=120m dar. Alle verkehrenden Fahrzeuge können eingesetzt werden. Bei einer späteren Verlängerung des Bahnsteiges auf 140 m können längere Zugkompositionen (z.B. 3fach-Traktion VT 612) halten, die auf den für einen Halt vorgesehenen Linien derzeit nicht im Regelverkehr zum Einsatz kommen.
Verkehrende Zugkomposition
| Linien | 143 + 2 Doppelstockwagen DABpz | VT 642 einfach | VT 642 Doppeltraktion | VT 642 Dreifachtraktion | Bedienung des Haltepunktes durch Linie |
|---|---|---|---|---|---|
| Länge über Puffer | 27,27 m + 26,8 m | 41,2 m | 2 * 41,2 m | 3 * 41,2 m | |
| S2 | X | - | - | - | Ja |
| RB Dresden - Königsbrück | - | X | X | - | Ja |
| RB Dresden - Kamenz | - | X | X | - | Ja |
| RB Dresden - Zittau | - | X | X | X | Ja |
| RB Dresden - Görlitz | - | X | X | X | Ja |
Legende:
- Komposition wird nicht eingesetzt
X Komposition wird eingesetzt
Damit ergibt sich werktags ein Angebot von 6 Zügen pro Stunde, sonnabends von 5 Zügen pro Stunde und sonntags von 4 Züge pro Stunde.
Die Baukosten können von uns nur abgeschätzt werden. Als Grundlage dient eine Studie der BAG SPNV [1]. In dieser Studie erfolgt ein Vergleich der Aufwendungen für den Bau von für Bahnsteiganlagen hinsichtlich Standards, Bau- und Planungskosten. Die dort ermittelten Kosten haben wir für eine Bahnsteiglänge von 120 m hochgerechnet.
| Bauherr | DB Station & Service | NE-Bahn (Durchschnitt) |
|---|---|---|
| Kosten pro laufender Meter Bahnsteig | 4100 /laufender Meter | 2500 /laufender Meter |
| Gesamtkosten für Bahnsteig von 120 m Länge | 492.000 | 300.000 |
Diese Kostenunterschiede kommen durch verschiedene Faktoren zustande. Neben den einfacheren Vorschriften für NE-Bahnen zählen insbesondere die zielführende Projektsteuerung der Baumaßnahmen dazu. Details dazu können in [1] nachgelesen werden.
Vor dem Hintergrund der deutlichen Kosteneinsparungen schlagen wir vor, die Errichtung des Haltepunktes Stauffenbergallee über eine nichtbundeseigene Infrastrukturgesellschaft zu realisieren. Dies kann beispielsweise die DVB AG sein. Der Haltepunkt "Stauffenbergallee" kann dabei als ein Modellprojekt für die Errichtung eines S-Bahn-Haltepunktes durch eine private Infrastrukturgesellschaft dienen.
Der Betrieb kann von DB Station & Service übernommen werden, ein Betrieb durch den Ersteller der Infrastruktur (z.B. DVB AG) ist ebenfalls möglich.
Warum soll gerade jetzt der Haltepunkt Stauffenbergallee gebaut werden? Reicht es nicht, den Ausbau des Haltepunktes bei einem Neubau der Brücke in Angriff zu nehmen?
Wir meinen: Nein! Der Haltepunkt "Stauffenbergallee" sollte so schnell wie möglich in Betrieb genommen werden. Das "Hechtviertel" hat als Wohnstandort in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen. In der Albertstadt haben sich in den zahlreiche öffentliche Einrichtungen etabliert. Neben dem Armeemuseum sind dies beispielsweise das mdr- Landesfunkhaus oder die neu entstandenen Bürogebäude an der Hellerschanze. Künftig kommt das Fachgerichtszentrum an der Tannenstrasse dazu. Die Anwohner und Mitarbeiter sind an einer attraktiven ÖPNV-Anbindung interessiert.
Dazu kommt eine sehr hohe Angebotsdichte, die einem größeren Teil der Fahrgäste zu Gute kommen sollte. Dieses Angebot wird auf keiner anderen Strecke innerhalb des Dresdner Stadtgebietes erreicht. Eine bessere Nutzung des Angebotes ist aus unserer Sicht zwingend geboten. Die Einrichtung des Haltepunktes "Stauffenbergallee" kann dazu dienen, die bereits verkehrenden Züge besser auszulasten.
Dazu kommt, dass derzeit der 4-spurige Ausbau der Königsbrücker Strasse zwischen der Stauffenbergallee und der Eisenbahnbrücke vorbereitet wird. Südlich der Stauffenbergallee soll die Königsbrücker Strasse 2008 ausgebaut werden. Während dieser Baumassnahmen wird eine Erreichbarkeit des Dresdner Nordens mit der Straßenbahn nur im Schienenersatzverkehr möglich sein. Eine attraktive Alternative wäre dazu die Inbetriebnahme des Haltepunktes vor Beginn der Baumaßnahme Königsbrücker Strasse zwischen Albertplatz und Stauffenbergallee.
Wie könnten die Schritte zur Wiedereröffnung des Haltpunktes aussehen. Ziel sollte es sein, den Haltepunkt zeitnah zur Baumaßnahme Königsbrücker Strasse bzw. der Wiedereröffnung des Armeemuseums Dresden einzuordnen, d.h. im Jahr 2008.
Sofort umsetzbar ist die Erstellung einer Vorstudie für die Bauvariante 1. In dieser Studie sollten die vorhandenen baulichen Anlagen einer Untersuchung unterzogen werden, in wie weit eine Weiternutzung möglich ist. Zu klären sind vor allem die Frage der Ausmaße des einzurichtenden Bahnsteiges, die Nutzbarkeit der vorhandenen Treppenanlage und eine erste Kostenschätzung. Diese Studie könnte zügig in Angriff genommen werden.
In Abhängigkeit vom Ergebnis der Vorstudie sollten weitere Planungsschritte wie Finanzierung, die Frage des Bauherren und schließlich die detaillierte Ausführungsplanung erfolgen.
Städtebauliche Planung Nordseite Olbrichtplatz:
Positionspapier von PRO BAHN: Haltepunkt Dresden-Stauffenbergallee (Kurzfassung)