In Sachsen-Anhalt sind laut Verkehrsminister Heyer keine weiteren Abbestellungen im Schienenpersonennahverkehr (SPNV) geplant (Landtagsdrucksache 3/5149 - Große Anfrage der CDU-Fraktion). Die gegenwärtigen Fahrgastzahlen auf vielen Zweigstrecken Sachsen-Anhalts sind allerdings relativ niedrig.
Um die Fahrgastzahlen zu steigern und damit die Strecken langfristig zu sichern, sind aus Sicht der Fahrgastverbandes PRO BAHN die folgenden Maßnahmen erforderlich.
Die Fahrtzeiten können durch Sanierung und Streckenausbau für höhere Geschwindigkeiten erreicht werden. Das Eisenbahnunternehmen, das die Strecke (d.h. die Infrastruktur) betreibt, ist gesetzlich verpflichtet, die Strecke in einem betriebssicheren Zustand zu halten. Bei Neben- bzw. Zweigstrecken ist es in vielen Fällen ausreichend, den Zustand wieder herzustellen, den die Strecke bereits einmal hatte bevor sie vernachlässigt wurde.
Fahrtzeiteinbußen gibt es bei Zweigstrecken vor allem durch viele Bahnübergänge. Hier sollte jeweils vor Ort geklärt werden, welche Bahnübergänge entbehrlich sind und welche technisch gesichert werden können.
Für ein akzeptables Angebot ist nach Meinung von PRO BAHN allen Eisenbahnstrecken mindestens ein Stundentakt erforderlich. Dieser ist am einfachsten zu merken. Außerdem können für Umsteiger auf den Knotenbahnhöfen bessere Anschlüsse eingerichtet werden.
Ein aufeinander abgestimmtes Fahrplanangebot von Bahn und Bus kann auch "in der Fläche" eine gute Versorgung mit öffentlichen Verkehrsmittel ermöglichen. Dazu gehören auch die so genannten Schnittstellen, die den Umstieg zwischen Bahn und Bus einfacher machen. Bahn und Bus sollen nicht konkurrieren, sondern sich gegenseitig ergänzen.
Moderne Fahrzeuge tragen wesentlich zu einem attraktiven öffentlichen Verkehr bei. Voraussetzung ist natürlich, dass die Technik funktioniert. Sauberkeit der Bahnen und Busse sollte selbstverständlich sein. Wichtig ist auch genügend Platz für die Fahrgäste, vor allem in Spitzenzeiten.
Wurden in früheren Zeiten noch längere Wege zum Bahnhof in Kauf genommen, so ist dies heute anders. Bahnhöfe und Haltepunkte, die relativ zentral in den Orten gelegen sind, werden besser angenommen als solche in Randlage. Durch Verlegung sowie Neuanlage von Haltepunkten kann mitunter ein recht großes Fahrgastpotenzial erschlossen werden. Die Bahnhöfe und Haltepunkte sowie ihr Umfeld sollen sauber und gepflegt sein, so dass sie "Visitenkarten" der jeweiligen Orte sind.
In Sachsen-Anhalt wurden bisher schon mehrere Bahnhöfe bzw. Haltepunkte verlegt oder neu gebaut. Am 21.3.2002 wurden z.B. zwei neue Stationen an der Strecke Klostermansfeld-Wippra übergeben.
Nicht zuletzt sind auch einfache Tarife wichtig für die Gewinnung neuer Fahrgäste. Verbundtarife bzw. Tarifgemeinschaften ermöglichen die Fahrt mit Bahn und Bus mit nur einem Fahrschein. Der Erfolg kann bei deutlich verbesserter Information und gutem Marketing deutlich gesteigert werden.
Als Vorbild sei die Strecke Freiberg-Holzhau genannt, die in einer relativ dünn besiedelten Gegend liegt. Die Sanierung durch ein privates Eisenbahnunternehmen (RP-Eisenbahn) kostete nur ein Drittel dessen, was die Deutsche Bahn veranschlagt hatte und dauerte nur ein halbes Jahr. Moderne Triebwagen fahren im Stundentakt, auch am Wochenende Die Buslinien sind auf die Bahn abgestimmt. Die Fahrplan-Faltblätter, die im Zug ausliegen, enthalten auch alle Busanschlüsse. Bereits vor Einführung des Verbundtarifs gab es gemeinsame Fahrscheine für Bahn und Bus. Die täglichen Fahrgastzahlen stiegen von 200 auf durchschnittlich 600-700, an manchen Tagen werden auch über 1000 erreicht!
Die Strecke Freiberg-Holzhau wurde langfristig von der Deutschen Bahn gepachtet, den Schienenverkehr hat der Verkehrsverbund Mittelsachsen langfristig bei der Freiberger Eisenbahn bestellt. Die Freiberger Eisenbahn ist ein Tochterunternehmen von Rhenus-Keolis (ehem. Eurobahn), an der auch die regionalen Busunternehmen beteiligt sind.
23. März 2002
Eisenbahnstrecke Bitterfeld - Stumsdorf