Die Sebnitztalbahn ist Teil des Sächsische-Schweiz-Ringes, der die Strecken Pirna - Dürrröhrsdorf - Neustadt(Sachs.) sowie (Bautzen - Wilthen -) Neustadt(Sachs.) - Sebnitz - Bad Schandau umfaßt.
Auf der Strecke Pirna - Neustadt fahren Triebwagen im Stundentakt, nach der Sanierung gab es zunächst einen 2-Std-Takt. Es sind zwei weitere Haltepunkte geplant (Berufsschulzentrum Pirna Copitz und Neustadt-West, in der Nähe des Freizeitkomplexes).
Für Neustadt - Bad Schandau war vom Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) ebenfalls Stundentakt vorgesehen. Die Brücken wurden noch zu Zeiten der Deutschen Reichsbahn saniert. Jetzt könnte der Zustand des Oberbaus zur Sperrung führen.
Der VVO möchte ab Fahrplanwechsel (10.06.2001) nur noch Wochenendverkehr anbieten, die Strecke soll aber erhalten werden. PRO BAHN Mitglied Reinhold Böhm aus Sebnitz befürchtet, daß die Strecke gesperrt und abbestellt wird. Die Stadt Sebnitz ist mit den Plänen des VVO nicht einverstanden. Eine Privatisierung der Strecke wird nicht ausgeschlossen.
(Quelle: Sächsische Zeitung)
Die Deutsche Bahn hat für die Sanierung des Abschnitts Sebnitz - Bad Schandau Kosten von 23 Mio. DM veranschlagt. Der Sebnitzer CDU-Politker Günther Gebauer hat in einem Brief an Bahnchef Mehdorn der Bahn vorgeworfen, die Strecke totzurechnen. Nach einer erneuten Beratung werden jetzt 11,5 Millionen Mark veranschlagt. Zur Aufrechterhaltung des Zugbetriebs nach dem Fahrplanwechsel sind Investitionen von einer halben Million Mark erforderlich.
Emil Renato Rossetti von der Sebnitzer FDP hat wie Gebauer ein Konzept vorgestellt zur Erhaltung der "Sächsischen Semmeringbahn". Beiden Konzepten gemeinsam ist die Forderung, auch die Strecken auf tschechischem Gebiet in Planung und Rentabilitätsberechnungen mit einzubeziehen. Ein dichterer Takt sowie eine bessere Vermarktung werden auch gefordert.
(Quelle: Sächsische Zeitung)
Kommentar:
Es ist sehr lobenswert, daß die beiden Konzepte der Lokalpolitiker über die Strecke bzw. den Streckenabschnitt Sebnitz - Bad Schandau hinausgehen. Der Netzgedanke ist noch viel zu selten in verkehrspolitischen Forderungen und Konzepten zu finden.
Nach dem Vorbild des EgroNet wäre eine ähnliche Vorgehensweise in der Sächsischen und Böhmischen Schweiz denkbar. Der Sächsische-Schweiz-Ring ist ein wichtiger Teil eines solchen grenzüberschreitenden Netzes. Der Busverkehr muß dabei umorganisiert werden, so daß die Bus nicht im Parallelverkehr zur Bahn fährt, sondern das Bahnnetz ergänzt mit verbesserten Umsteigemöglichkeiten zwischen Bus und Bahn. Für Freiberg - Holzhau wurde ein entsprechenden Konzept entwickelt, die Streckenreaktivierungen in den alten Bundesländern sind u.a. auch deshalb so erfolgreich, weil es ein ergänzendes Busnetz gibt.
Nicht nur beim Angebot, auch bei der Vermarktung kann das EgroNet als Beispiel dienen. Eine Zusammenarbeit von Verkehrsunternehmen, Verkehrsverbund, Kommunalpolitik und Tourismusverband kann da einiges bewirken.
Auch etwas weiter östlich im Raum Görlitz/Zittau drängt sich die Zusammenarbeit mit Tschechien und Polen in der Grenzregion geradezu auf, hier verlaufen mehrere Bahnstrecken so, daß mehrmals die Staatsgrenzen überschritten werden. Eine dieser Strecken (Abschnitt Eibau - Großschönau) soll ab Fahrplanwechsel gesperrt werden.
Daß die DB AG für die Sanierung relativ hohe Kosten ansetzt, ist nicht neu. Die Sanierung der Strecke Freiberg - Holzhau sollte laut DB 54 Mio. DM kosten, tatsächlich wurden nur knapp 15 Mio. DM verbaut. Diese Sanierung wurde allerdings nicht von der Deutschen Bahn verantwortet, die erste dieser Art in Sachsen.
Nachtrag vom 27.02.2001
Auch im Grenzgebiet zwischen Deutschland und Österreich ist es nicht so einfach, einen Nahverkehr über Staatsgrenden hinweg zu organisieren. Dazu ein (immer noch aktueller) Bericht von einer Veranstaltung mit der ÖBB im März 1999 auf der Webseite von PRO BAHN Oberbayern.
An den Grenzen Sachsens gibt es 4 Euroregionen.
- Euregio Egrensis
- Euregio Erzgebirge
- Euregio Elbe-Labe
- Euregio Neiße
Weitere Entwicklung
Mai 2001
Die Bahnstrecke von Sebnitz nach Bad Schandau bleibt erhalten. Nach den notwendigen Instandsetzungsarbeiten bis zum Juni folgt eine umfassende Sanierung, ca. 15 Mio. DM werden dafür investiert. Der Grenzübergang nach Dolni Poustevna soll geöffnet werden, d.h. von Sebnitz aus wird es eine grenzüberschreitende Bahnverbindung nach Tschechien geben. (Sächsische Zeitung)
Juni 2001
Die Strecke Bad Schandau-Sebnitz wird bis 2002 grundlegend saniert, anschließend ist ein deutlich verbessertes Angebot mit modernen Triebwagen im 2-Stunden-Takt geplant. Das vereinbarten Freistaat Sachsen, Deutsche Bahn und Verkehrsverbund Oberelbe. Auf der sanierten Strecke Pirna-Neustadt konnten die Fahrgastzahlen um 60% gesteigert werden.
Ab Fahrplanwechsel am 10. Juni 2001 fahren am Wochenende 4 Zugpaare täglich, von Montag bis Freitag 2 Zugpaare. Die Region ist auch durch den Regionalbusverkehr an Bad Schandau, Pirna und Dresden direkt angebunden.
(Presseinfo Verkehrsverbund Oberelbe und DB AG)
Dezember 2001
Seit dem 23. Dezember 2001 wird die Strecke wieder durchgängig von Bad Schandau nach Bautzen befahren. Die Fahrtzeit zwischen Bad Schandau, Sebnitz, Neustadt (Sachs.) nach Bautzen wurde von 140 auf 100 Minuten verkürzt. Moderne Triebwagen vom Typ Desiro (VT 642) kommen zum Einsatz, auf dem anderen Abschnitt des Sächsische-Schweiz-Ringes (Pirna-Neustadt) ebenfalls.
Merkwürdigerweise nannte das zuständige Staatsministerium für Wirtschaft und Arbeit in der Antwort auf eine Kleine Anfrage im Landtag, daß der Strecke Bad Schandau - Neukirch das Aus droht.
Informationen über die Sebnitztalbahn unter
www.saechsische-semmeringbahn-online.de
25. Februar 2001, letzte Änderung 11. Januar 2002