Mit der Eisenbahn von der sächsischen Landeshauptstadt über die östlichste Stadt Deutschlands zum Dreiländereck sowie ins Zittauer Gebirge - und zurück.
Los geht's ab Dresden Hbf, allerdings erst am späten Vormittag. Der nächste Zug in Richtung Osten fährt nach Görlitz: der Interregio Dresden - Wroclaw. Im Reisezentrum steht eine lange Schlange. Leider habe ich meine EC-Karte nicht dabei und am Nahverkehrsautomaten ist Görlitz nicht zu finden (wie ich später feststelle, ist Görlitz aufgeführt, die Liste ist jedoch recht lang). Also muss ich im Zug bezahlen, natürlich zzgl. Bordpreis, weil ja in Dresden Hbf das Reisezentrum geöffnet hat.
Der IR ist einer der letzten seiner Art. Er besteht aus polnischen Abteilwagen. Wenn alle Plätze belegt sind, wird es eng, da jedes Abteil 8 Sitzplätze hat. Der Zug ist zu dieser Tageszeit nicht besonders voll, ich habe ein Abteil für mich alleine.
In Görlitz fährt die Diesellok (Baureihe 234, "Ludmilla") weg, um Platz für die polnische Lok zu machen. Eigentlich ist der Lokwechsel hier nicht nötig, da im 28 km entfernten Wegliniec (Kohlfurt) auf E-Lok umgespannt wird. Das ist eines von vielen Dingen, die nach der EU-Erweiterung besser werden können.
Die östlichste Stadt Deutschlands ist eine Reise wert. Der durch Görlitz verlaufende 15. Längengrad bestimmt die Mitteleuropäische Zeit. In den vergangenen Jahren habe ich Görlitz schon mehrmals besucht. Beim nächsten Mal ist eine Straßenbahntour dran.
Ich gehe in die Bahnhofshalle, wo die alte Fahrkartenausgabe in einen Eisenbahn-Ausstellungsraum umfunktioniert wurde. Gegenüber ist das Reisezentrum. Neben der alten Fahrkartenausgabe in der Ecke befindet sich die vor 4 Wochen eröffnete Mobilitätszentrale, wo es alle Fahrscheine von ZVON und VBB gibt, sogar Fahrkarten für den Interconnex. Ich kaufe mir eine ZVON-Tageskarte für 10 Euro, die im gesamten Verbundraum gültig ist. Die Einzelfahrt nach Zittau kostet 5 Euro für 36 Tarifeinheiten, wie mir die Tariftabelle zeigt. Zum gleichen Preis wie die ZVON-Tageskarte gibt es auch die Euro-Neiße-Tageskarte, mit der man nach Polen und Tschechien fahren kann.
Dann ist es Zeit, auf den Bahnsteig zu gehen, wo 2 Triebwagen der Lausitzbahn warten, einer fährt nach Cottbus, der andere nach Zittau. Beim blau-gelb-weißen Desiro (fast baugleich mit den DB-Triebwagen 642) der Connex-Tochter fällt zuerst das Trittbrett auf, das den Spalt zwischen Triebwagen und Bahnsteig überbrückt, der beim Desiro sehr groß ist. Beim Aussteigen in Zittau fällt das noch besser auf, da dort ein stufenloses Ein- und Aussteigen möglich ist, ohne Lücke. Im Gegensatz zu den roten Desiros der DB gibt es Armlehnen, die Polsterung scheint mir etwas besser zu sein (der Eindruck kann allerdings täuschen). Für längere Strecken wie beim Interconnex Zittau - Stralsund ist das aber nicht gerade das ideale Fahrzeug.
Nach der Abfahrt erfolgt die Begrüßung durch den Zugbegleiter, der auf das Imbiss- und Getränkeangebot hinweist. Die Ansage der nächsten Stationen enthält den Zusatz "Bitte achten Sie auf die Bahnsteighöhe". Der Zug ist sehr gut besetzt. Zwischen Hagenwerder und Hirschfelde verläuft die Strecke der "Neißetalbahn" zum größten Teil auf polnischem Gebiet. Die in Polen gelegene Station Krzewina Zgorzelecka dient nur zum Ein- und Austeigen für Fahrgäste von und nach Ostritz auf deutscher Seite. Das war schon zu DDR-Zeiten so, nach dem EU-Beitritt Polens wird sich das vielleicht ändern. Das gilt hoffentlich auch für den Zustand der Gleise, die nicht gerade im besten Zustand sind.
In Zittau angekommen, gehe ich zu Fuß ins Stadtzentrum, wo die EU-Feierlichkeiten in vollem Gange sind. Verhungern kann man hier nicht, man muss nur genügend Kleingeld dabei haben. Gestärkt gegen ich zurück zum Bahnhof, genauer zum Schmalspurbahhof, um nach Oybin zu fahren. Heute gilt ein veränderter Fahrplan, es fahren mehr Züge als sonst. Die Schmalspurbahn von Zittau nach Oyin und Johnsdorf wird von der Sächsich-Oberlausitzer Eisenbahngesellschaft (SOEG) betrieben, Gesellschafter ist die Kraftverkehrsgesellschaft Dreiländereck mbH (KVG), die in der Region den Busverkehr betreibt.
Die Schmalspurbahn unterquert das Regelspurgleis in Richtung Liberec und fährt in einem Bogen um die Zittauer Innenstadt herum, um über Olbersdorf nach Bertsdorf zu gelangen. Dort geht es rechts nach Johnsdorf und links nach Oybin. Es geht teilweise recht steil bergan. Die Fahrkarten des Verkehrsverbundes sind auch bei der SOEG gültig, allerdings sind zusätzlich je Fahrt 4 Euro "Dampfzuschlag" zu bezahlen. Neben den Bahnhof im Kurort Oybin ragt der Berg Oybin auf (515 Meter hoch). Ich beschließe, ein andermal wiederzukommen, um mal dort hinaufzuwandern, und fahre wieder zurück nach Zittau.
Da ich auf der Rückfahrt noch eine tarifliche Lücke von der ZVON-Verbundgrenze nach Dresden überwinden muss, löse ich im Reisezentrum eine Fahrkarte von Bischofswerda nach Dresden, mit Bahncard.
Die Busse auf dem Bahnhofsvorplatz stehen so, dass die Fahrer das Bahnhofsgebäude im Blick haben. An den Haltestellenschildern sind elektronische Anzeigen, denen die nächsten Abfahrtszeiten zu entnehmen sind. An diesem Wochenende gibt es einen Shuttleverkehr zwischen Bahnhof und Dreiländepunkt im Halbstundentakt. Also steige ich in den nächsten Bus ein, um innerhalb kurzer Zeit dreimal eine Staatsgrenze zu überschreiten, nämlich an der Stelle, wo in Zittau die Grenzen zwischen Deutschland, Tschechien und Polen aneinander stoßen.
Wieder zurück am Bahnhof steht schon der Zug der Sächsisch-Böhmischen Eisenbahn (SBE) bereit, der auf der "Mandaubahn" über Seifhennersdorf nach Eibau fährt. Das Flüsschen Mandau fließt durch Varnsdorf und Seifhennersdorf und mündet in Zittau in die Neiße. Der Zug besteht aus 2 Uerdinger Schienenbussen mit der Aufschrift Hochwaldbahn (HWB). Das Personal ist erkennbar an roten T-Shirts mit HWB-Logo. Ich steige in den ersten Triebwagen ein, der Zug ist gut besetzt. Als ich das letzte Mal hier unterwegs war, fuhr die "Ferkeltaxe" der DB Regio nur bis Großschönau, da der Abschnitt Seifhennersdorf - Leutersdorf gesperrt war. In Mittelherwigsdorf zweigt die Mandaubahn von der Hauptstrecke ab.
Zufällig höre ich, wie der Zugbegleiter 2 Fahrgästen erklärt, dass die SBE an diesem Wochenende 2 Fahrten nach Prag unternimmt. Heute seien 140 Leute mitgefahren. Da in Tschechien keine Züge direkt von Varnsdorf nach Prag fahren, sondern nur Busse, biete man dies gelegentlich am Wochenende an, im Sommer voraussichtlich jedes 2. Wochenende. Kurz nach 7 Uhr geht es in Zittau los, über Größschönau und Varnsdorf nach Prag, wo man gegen 10 Uhr ankommt. Rückfahrt ist gegen 17 Uhr.
Zwischen Großschönau und Seifhennersdorf geht es über tschechisches Gebiet. Bisher hatte die SBE keinen planmäßigen Halt in Vardsdorf, das dürfen nur die Korridorzüge der tschechischen Eisenbahn von Liberec über Zittau nach Rumburk (die halten dafür außer in Zittau nicht auf deutschem Gebiet). Heute hält der Zug in Varnsdorf, auch nach dem EU-Beitritt Tschechiens dürfen die SBE-Züge das nur in Ausnahmefällen, da hier laut Grenzregelung ein Transit durch Tschechien ohne Ein- und Ausreise stattfindet. Eine neue Grenzregelung sollte doch möglich sein. Noch besser als in Varnsdorf wäre ein Halt in Stary Varnsdorf (Altwarnsdorf), wo derzeit aber gar keine Züge halten. Die meisten Fahrgäste steigen in Seifhennersorf aus, offenbar waren sie bei der EU-Feier in Zittau. In Leutersdorf wünscht sich die SBE neue Haltepunkte, um den Ort besser zu erschließen.
Eibau kann man als Taktknoten bezeichnen: Der SBE-Zug von Zittau über Seifhennersdorf kommt zur Minute 50 an, zur vollen Stunde bzw. kurz danach ist die Abfahrt der Regionalbahnen nach Dresden und Zittau (über Oderwitz), die SBE fährt anschließend wieder nach Zittau.
Im Desiro der DB muss ich mir dann meine Jacke anziehen, die Heizung hat gegen die Klimaanlage verloren. Mit anderen Worten: Es bläst ein sehr kalter Wind von oben. Leider ist die Klimaanlage in den neuen Triebwagen (nicht nur bei der DB) meist so konstruiert, dass sie nur automatisch oder gar nicht funktionieren. Ein manuelles Nachregeln ist nicht möglich. Die RB Zittau - Dresden besteht aus 2 Desiros und ist (wie wohl viele andere Züge heute von und nach Zittau) gut ausgelastet.
Auf dem Weg nach Dresden liegen u.a. Wilten und Neukirch West. Auf diesem Abschnitt werden ab Dezember einige Züge weniger fahren, da die SPNV-Verbindung Bautzen abbestellt wurde. Wie so oft in der Vergangenheit wurden wieder einmal einzelne Teilstücke hinsichtlich der Auslastung betrachtet und nicht wie in diesem Fall die gesamte Strecke Bautzen - Wilthen - Neustadt(Sachs) - Sebnitz - Bad Schandau.
Nach der Ankunft in Dresden-Neustadt vertreibt mich die automatische Ansage vom Bahnsteig. Diese Ansage ist eine Zumutung, warum geht sowas z.B. in Berlin viel besser?
Die nächste Straßenbahn ist eine 11 nach Bühlau. Also fahre ich zum Albertplatz, wo ich nur wenige Minuten auf die 7 warten muss, bis 23 Uhr gibt es ja 15-Min-Takt. Eine andere Variante wäre die 11 zum Postplatz (Richtung Zschertnitz) gewesen mit Umsteigen in die 2 oder 12. Die Direktverbindung vom Bahnhof Neustadt mit der Linie 6 gibt es seit August 2002 nicht mehr, als sich die Weißeritz ihr altes Flussbett suchte. Gegenwärtig wird die betroffene Straße incl. Straßenbahngleis totalsaniert.
Übrigens waren alle Züge der insgesamt 5 Eisenbahnunternehmen (DB Fernverkehr, Lausitzbahn, SOEG, SBE und DB Regio) pünktlich.
Stephan Boenigk