Brief von PRO BAHN Mitteldeutschland
an den sächsischen Verkehrsminister Schommer
zum neuen Preis- und Tarifsystem der Deutschen Bahn

Sächsisches Staatsministerium für Wirtschaft und Arbeit
Herrn Staatsminister Dr. Kajo Schommer
Postfach 100329
01073 Dresden

Neues Preis- und Tarifsystem der Deutschen Bahn AG

Dresden, den 25.08.2001

Sehr geehrter Herr Staatsminister Schommer,

wir möchten uns heute mit einigen Anmerkungen zum neuen Preis- und Tarifsystem der Deutschen Bahn AG an Sie wenden.

Der Vorstand der Deutschen Bahn AG hat am 04.07.2001 die Einführung eines neuen Preis- und Tarifsystems (PEP) beschlossen. Aus unserer Sicht ist dieses durchaus dazu geeignet, Neukunden für die Bahn zu gewinnen. Die wichtigsten Vorteile des neuen Preissystems:

Die Vorteile werden jedoch durch deutliche Mehrbelastungen der Stammkunden wieder relativiert. Der größte Nachteil des neuen Preissystems ist die Verringerung des Bahncard-Rabatts auf 25 %. Diese Senkung bedeutet für viele Bahncard-Kunden eine Preiserhöhung um 50%. Während im Fernverkehr diese Erhöhungen über die umfangreichen Rabattregelungen (z.B. Vorausbuchungen, Mitfahrer) wieder teilweise kompensiert werden können, gibt es diese Einsparmöglichkeiten im Nahverkehr nicht.

Vor dem Hintergrund des Wegfalls bzw. der Einschränkung von Interregio-Verbindungen (z.B. Chemnitz - Berlin, Görlitz - Cottbus - Berlin) müssen zunehmend auch größere Entfernungen in Nahverkehrszügen zurückgelegt werde. Diese Fahrgäste werden durch das neue Tarifsystem zusätzlich bestraft, da sie neben dem geringeren Komfort der Verbindung nun auch noch einen höheren Fahrpreis entrichten müssen. Das von der DB ins Feld geführte Argument, daß diese Fahrgäste meist auf einen günstigeren Verbundtarif ausweichen können, gilt nur auf einigen Strecken. Beispielsweise ist es von Görlitz nach Cottbus oder Berlin nicht möglich, einen durchgehenden Verbundfahrschein zu lösen.

Aus Sicht der Fahrgäste ist es nicht hinnehmbar, daß Stammkunden durch das neue Preissystem schlechter gestellt werden, weil sie im Nahverkehr unterwegs sind bzw. sich nicht auf einen bestimmten Zug festlegen können. Gerade im Nahverkehr bekommt die Deutsche Bahn aber mehrere Milliarden DM für die von den Bundesländern bestellten SPNV-Leistungen.

Aus unserer Sicht gibt es für die dargestellten Probleme folgende Lösungsansätze:

Sehr geehrter Herr Minister Schommer, wir bitten Sie nachdrücklich, die Belange des Nahverkehrs entsprechend den vorstehend genannten Maßnahmen gegenüber der Deutschen Bahn AG zu vertreten und die dort angekündigten Verschlechterungen, die einer fortschrittlichen Verkehrspolitik diametral entgegenstehen, abzuwenden. Im Interesse der Bahnkunden, damit letztlich im Interesse des Landes und des Systems Schiene selbst fordern wir Sie auf, sich für den Erhalt des BahnCard Rabatts im Regionalverkehr einzusetzen.

Daher würden wir es begrüßen, wenn Sie gemeinsam mit Ihren Amtskollegen diese Problematik auf der Konferenz der Landesverkehrsminister am 10./11. Oktober 2001 in Dresden beraten würden.

Wir würden Ihnen unsere Vorstellungen über eine fahrgastfreundliche Gestaltung des neuen Preis- und Tarifsystems im Nahverkehr gern in einem persönlichen Gespräch näher bringen.

Mit freundlichen Grüßen

Daniel Götte
Landesvorsitzender

Stefan Jugelt
stv. Landesvorsitzender


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