Am 13. Dezember 2000 fand in Schöneck (Vogtland) die Bilanzpräsentation des EgroNet statt. Das grenzüberschreitende Nahverkehrsssystem in der Euroregion Egrensis war Projekt der Expo 2000.
Das Einzugsgebiet des Egronet umfasst rund 1,6 Millionen Einwohner auf etwa 6.3000 Quadratkilometern. Es können 387 Linien des ÖPNV genutzt werden, davon 20 Bahnlinien.
Landrat Dr. Lenk erwähnte in seiner Begrüßungsansprache den Koordinationsaufwand, da 13 kommunale Gebietskörperschaften und 45 Verkehrsunternehmen am EgroNet beteiligt waren und sind. Neben der Verbesserung des ÖPNV-Angebotes wurde auch ein Euroregionaler Radwanderweg fertiggestellt.
Der Referatsleiter des Sächsischen Staatsministeriums für Wirtschaft und Arbeit (SMWA) Dr. Schmidt zog aus Sicht des Projektträgers eine positive Bilanz. Das SMWA hat deshalb die Weiterführung des EgroNet empfohlen.
Nach den einleitenden Worten wurden die Ergebnisse des EgroNet präsentiert. Die Werbeagentur Logo gab eine Überblick über die Marketingaktivitäten, die auch in Zusammenarbeit mit dem Tourismusverband durchgeführt wurden.
Anschließend gaben die Vertreter aus den Verkehrsministerien der beteiligten Bundesländer (Sachsen und Thüringen) sowie des Tschechischen Ministeriums für Verkehr und Fernmeldewesen Erklärungen ab. Wegen der zeitgleich laufenden Verhandlungen zwischen dem Freistaat Bayern und der Deutschen Bahn zur Zukunft des Fernverkehrs in Bayern war kein Vertreter aus dem Bayrischen Verkehrsministerium anwesend.
Schließlich kamen auch Kommunalpolitiker zu Wort sowie der sächsische Landtagsabgeordnete Andreas Heinz und MdB Wolfgang Dehnel (stv. Mitglied im Bundestagsausschuß für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen).
Ergebnisse des EgroNet
Während der Expo-Zeit (153 Tage) nutzten 500.000 Menschen zusätzlich das Nahverkehrsangebot in der Region, das bedeutet eine Steigerung von 60% gegenüber der Zeit vor der Expo.
Auf den Eisenbahnstrecken Zwickau - Hof, Hof - Marktredwitz, Zwickau - Karlovy Vary, Plauen - Cheb - Marktredwitz fuhren täglich durchschnittlich 7.600 Fahrgäste. Das Neitechangebot auf der RE-Linie 9 (Zwickau - Hof) nutzten 107.000 Reisende im Zeitraum der Expo. Eine verstärkte Nutzung des Busangebotes wurde nicht beobachtet.
Die Grenzübergänge wurden wie folgt genutzt:
Klingenthal - Kraslice: ca. 130.000 Fahrgäste
Bad Brambach - Vojtanov: ca. 120.000 Fahrgäste
Marktredwitz - Cheb: ca. 120.000 Fahrgäste
Johanngeorgenstadt - Potucky: ca. 10.000 Fahrgäste
Die geringe Frequentierung des Grenzübergangs Johanngeorgenstadt ist mit den Bauarbeiten auf der Strecke Zwickau - Johanngeorgenstadt zu erklären. Insgesamt ist die Nutzung der Grenzübergänge höher als erwartet, besonders an den Wocheenden.
Während der Expo wurden in Deutschland 11.593 Egro-Tickets verkauft, davon 4/5 nach der Preissenkung im September. 27% der verkauften Egro-Tickets waren Gruppen-Tagestickets, 1% Einzelwochen-Tickets, der größte Teil (72%) Einzeltages-Tickets.
Viele Fahrgäste nutzten verstärkt die Haustarife der beteiligten Verkehrsunternehmen wie z.B. der Vogtlandbahn oder das Wochenend-Ticket.
Diskussion
Kritik gab es an DB Regio, die das Egro-Ticket nicht mehr anerkennen will, obwohl etwa zwei Drittel der Tickets über DB Regio verkauft wurden. Herr Martini von DB Regio Sachsen erklärte, das Egro-Ticket sei für DB Regio unwirtschaftlich. Die anderen Beteiligten äußerten die Hoffnung, daß die ab 2001 gültigen Angebote für das Egro-Ticket auch von DB Regio anerkannt werden. Positiv ist in diesem Zusammenhang der Vorschlag von Herrn Martini zu werten, der das Sachsen-Ticket analog zu den in fast allen Bundesländern bereits geltenden Ländertickets forderte.
Weil DB Netz wegen des schlechten Streckenzustandes keinen attraktiven Fahrplan anbieten konnte, kam die Anbindung von Gera nicht in der geplanten Form (Flügelkonzept) zustande. Vertreter Thüringens forderten die Entwicklung von Gera zu einem Schienen-Verkehrsknotenpunkt.
Zum künftigen Angebot in Bayern war wegen der laufenden Verhandlungen zwischen dem Freistaat und der DB AG über die Zukunft des Fernverkehrs, insbesondere die Interregio-Linie 25 (Hof - Regensburg - Landshut - München - Oberstdorf) betreffend, noch keine definitive Erklärung möglich. Bayern hat Interesse an einer Verbesserung des RE-Angebotes auf der Verbindung Hof - Plauen - Leipzig.
Für die Kommunalpolitiker im Raum Hof ist der Erhalt der Strecke Selb - As (Asch) wichtig, die Verhandlungen zur Sicherung der von Stillegung bedrohten Strecke laufen derzeit. Diese Strecke sowie die Verbindung nach Marianske Lazne (Marienbad) könnten das Bahnnetz des EgroNet künftig erweitern.
MdL Heinz (Sachsen) hält eine bessere Anbindung des Vogtlandes an den Fernverkehr für dringend notwendig ("ICE ins Vogtland"), während MdB Dehnel die Vernetzung hervorhob und auf das "Vorbild Schweiz" verwies, wo das Zusammenspiel von SBB und vieler Privatbahnen gut funktioniert.
Kommentar
Das EgroNet ist trotz der in der Diskussion benannten Kritikpunkte als Erfolg zu werten. Das grenzüberschreitende Nahverkehrssystem im ländlichen Raum hat nach Ansicht der Beteiligten seine Leistungsfähigkeit bewiesen. Die Weiterführung ist deshalb nicht nur konsequent sondern auch notwendig, das EgroNet muß seine Alltagstauglichkeit unabhängig von der Expo beweisen.
Die Vernetzung von Bahn und Bus mit 13 fertiggestellten Verknüpfungsstellen im Vogtland sowie das "Zwickauer Modell" weisen in Richtung eines zukunftsfähigen ÖPNV-Angebotes. Ein dichter Taktfahrplan sowie ein Verbundtarif gehören selbstverständlich auch dazu. Die Kombination des Egro-Ticket mit Vergünstigungen in Kultur- und Freizeiteinrichtungen sowie in Hotels und Gaststätten sollte beibehalten werden.
Erklärtes Ziel des EgroNet war es auch, die Menschen in der Grenzregion zusammenzubringen. Ein nicht zu vernachlässigendes Problem ist dabei die Sprachgrenze, das trifft auf andere Grenzregionen gleichermaßen zu. Ein Tagesausflug ins benachbarte Tschechien ist außerdem für Deutsche preisgünstiger als umgekehrt.
Links
Deutsche Bahn
Vogtlandbahn
Ceské Dráhy (CD - Tschechische Staatsbahnen)
Viamont (Tschechische Privatbahn)
Euroregio Egrensis
Sächsische Euroregionen
Stephan Boenigk, 18.12.2000