Die Regionalisierung im Rahmen der Bahnreform hat neue Möglichkeiten für den Öffentlichen Nahverkehr, vor allem für den SPNV gebracht. In Baden-Württemberg, Bayern und Rheinland-Pfalz wurden und werden Bahnstrecken reaktiviert, die Fahrgastzahlen liegen oft über allen Erwartungen.
Von zwei Beispielen erfolgreicher Streckenreaktivierung in Baden-Württemberg konnte ich mich bei einer Exkursion im Anschluß an die Horber Schienentage im November 1999 selbst überzeugen:
Wie alles andere hat auch die Regionalisierung ihre Nachteile. So wurden Strecken abbestellt, die die Landesgrenzen überqueren, als wären wir wieder im 19. Jahrhundert mit Herzogen und Fürsten, die an ihren jeweiligen Grenzen Zoll verlangten.
Einige Beispiele:
KBS 227 heute: Dresden - Dresden-Klotzsche - Königsbrück bzw. Dresden - Dresden-Klotzsche - Arnsdorf - Kamenz. Den Bahnhof Straßgräbchen-Bernsdorf (Niederlausitz) gibt es auf der Streckenübersichtskarte zum Kursbuch nicht mehr.
Statt auf der Schiene werden die Reisenden mit Bussen befördert. Die auf der Straße zurückgelegte Strecke ist oft länger als die Eisenbahnstrecke, die im Flachland nicht selten schnurgerade verläuft.
Aus vorher durchgehenden Strecken werden im Kursbuch Stichbahnen. Falls auf solchen Strecken noch Güterverkehr betrieben wird, besteht die Möglichkeit der Reaktivierung, da die Gleise nicht sofort abgebaut werden können.
Bei Regionalstrecken über die Landesgrenzen hinweg gibt es auch positive Beispiele wie die Zusammenarbeit zwischen Thüringen und Hessen: Auf der Strecke Erfurt - Kassel fährt die Erfurter IndustrieBahn mit dem Regio-Shuttle. Die Bestellung erfolgte durch die Nahverkehrsgesellschaft Thüringen (NVS) zum Fahrplanwechsel am 30.05.1999.
Ein Beispiel erfolgreicher Regionalisierung ist die Usedomer Bäderbahn GmbH (UBB), die vor 5 Jahren - am 1. Juni 1995 - als Tochtergesellschaft der DB AG gegründet wurde. 1992, als die damalige RBD Schwerin die Stillegung beantragte, waren es jährlich 250 000 Fahrgäste, 1998 fuhren mehr als 1,35 Millionen Reisende mit der UBB.
Dieses Beispiel schwebte möglicherweise dem neuen Bahnchef Hartmut Medorn vor, als er vorschlug, Teile des Nahverkehrs aus dem DB-Konzern auszugliedern und und in 37 eigenständige Gesellschaften mit einem Streckennetz von insgesamt 9000 km zu überführen.
Eine Übersicht der betroffenen Strecken ist hier zu finden: Regent
Stephan Boenigk, 2. April 2000