Darin heißt es u.a. (wörtliche Zitate in Anführungszeichen):
"Die Stadt gestalte viele Trassen zu Gunsten der Straßenbahn um und schränke dabei bewusst den Wirtschafts- und Individualverkehr ein, hieß es. Weil mit Fördermitteln gebaut werde, sei dies unzulässig. Das Rathaus müsse damit rechnen, dass Gelder zurückzuzahlen sind."
Kritisiert wird die Reduzierung von zwei auf eine Fahrspur je Richtung. Der Automobilclub sieht eine "ungerechtfertigte Bevorzugung des öffentlichen Nahverkehrs".
"Das Bundesverkehrsministerium müsse den deutschen Kommunen mehr Spielraum bei Infrastrukturprojekten lassen, damit diese künftig auf Separierungen verzichten können, hieß es. Städte, die trotzdem separate Gleise wünschen, sollten diese künftig nur noch mit Fördermitteln bauen dürfen, wenn für Autofahrer zwei Fahrstreifen pro Richtung übrig bleiben."
Kommentar:
Wie in vielen anderen Städten werden auch in Leipzig Straßenbahntrassen baulich vom übrigen Straßenverkehr getrennt, um die Behinderung der Straßenbahn durch den Autoverkehr zu minimieren und den Öffentlichen Nahverkehr schneller zu machen. Wenn der ADAC fordert, alle Verkehrsarten gleichrangig zu behandeln, muß er auch akzeptieren, daß der PKW nicht bevorzugt wird.
Ein gut ausgebautes Nahverkehrsnetz mit schnellen Verbindungen kann wesentlich mehr Menschen transportieren als der Individualverkehr. PKWs sind durchschnittlich mit 1,2 Personen besetzt, in einem Bus haben etwa 60 Fahrgäste Platz, ein Bus kann also 50 Autos ersetzen. Bei der Straßenbahn sind es entsprechend mehr. In Leipzig und Dresden fahren die Bahnen z.Z. jeweils auf etwa 35% des Straßenbahnnetzes auf separaten Gleisen.
Das auf den Individualverkehr bezogene Motto "Freie Fahrt für freie Bürger" wird besonders in den Großstädten täglich ad absurdum geführt. Deshalb sind vor allem größere Städte bemüht, den Anteil des Öffentlichen Nahverkehrs zu vergrößern. In Leipzig ist der Anteil des ÖPNV am Modal Split etwa 16%, in anderen Städten wie z.B. Frankfurt am Main sind es 25%.
Mehr ÖPNV verkürzt den Stau, d.h. je mehr Fahrgäste den ÖPNV nutzen, um so höher sind die Einnahmen der Verkehrsunternehmen. Der Kostendeckungsgrad steigt, der Zuschußbedarf reduziert sich. Außerdem werden weniger Flächen für den Verkehr benötigt, beim Auto hat auch der ruhende Verkehr einen hohen Flächenbedarf.
Daß Fördermittel zurückzuzahlen sind, ist einfach falsch. Leider hat die LVZ hier die Aussagen des ADAC übernommen, ohne selbst zu recherchieren. Die GVFG-Mittel (Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz) dienen zur Verbesserung der Verkehrssituation in den Gemeinden. In Ballungsgebieten soll ausdrücklich der ÖPNV gefördert werden. Aufgrund des geringen Platzes sind die Verkehrsmittel mit der höchsten Leistungsfähigkeit verstärkt zu fördern, das ist vom Gesetzgeber anerkannt und gewünscht.
Weitere Informationen:
Zu diesem Thema hat der Leipziger ÖKOLÖWE eine Pressemitteilung veröffentlicht, die im Web nachzulesen ist unter www.oekoloewe.de (Aktuelles).
Informationen zum Leipziger Nahverkehr mit Diskussionsforum: www.leipziger-nahverkehr.de (Dort ist auch der komplette LVZ-Artikel nachzulesen unter "ADAC gegen besonderen Bahnkörper für Tram")
Zitat aus dem Nahverkehrsplan der Stadt Leipzig:
"Dem ÖPNV ist im Interesse der Erhöhung der Beförderungsqualität durch geeignete Maßnahmen der Vorrang gegenüber dem MIV einzuräumen. Es sind alle Möglichkeiten der Beschleunigung des ÖPNV zu nutzen."
Letzte Änderung 1. April 2001, Stephan Boenigk